Allgemein, Filme
Schreibe einen Kommentar

Eli Roth präsentiert: CLOWN, der Kinderschreck

Die Story von CLOWN

Der Kuchen ist fast aufgegessen, die Kids toben durchs Haus und das Geburtstagskind wird bereits ungeduldig, da sagt der bestellte Clown ab – der Alptraum für alle Eltern. Zum Glück stößt Vater und Makler Kent (Andy Powers) zur richtigen Zeit in einem seiner Häuser auf eine alte Clown-Verkleidung. Zumindest der Kindergeburtstag ist damit gerettet. Nach seinem Auftritt kriegt Daddy das Kostüm allerdings nicht mehr runter.

Nase, Perücke, Schminke und der Overall verschmelzen Stück für Stück mit ihrem Träger. Das muss Kent schmerzhaft feststellen, als ihm seine Frau Meg (Laura Allen) die Clownsnase runter reißt, die eine fiese Wunde hinterlässt. Doch auch andere beängstigende Veränderungen zeichnen sich ab. Den historischen Background für die Geschehnisse liefert der Bruder des ehemaligen Haus- und Kostümbesitzers (Peter Stormare): In der Verkleidung steckt ein fieser Clown-Dämon, der es auf kleine Kinder abgesehen hat, die ihm als Nahrung für die Wintermonate dienen.

Gemischte Gefühle: das Schicksal des Clowns

Zugegeben diese Historie in CLOWN ist etwas dürftig und nicht wasserfest, aber angesichts der generell weit verbreiteten Angst vor Clown-Figuren ist mehr Erklärung nicht nötig. Der Fachterminus dafür ist übrigens „Coulrophobia“. Dieser Spaßmacher gehört nicht nur zum Alptraum-Ensemble von Erwachsenen. 2008 führte die britische University of Sheffield eine Umfrage unter 250 Kindern von vier bis 16 Jahren durch. Die Studie sollte klären, ob Clown-Bilder als Krankenhaus-Dekoration tauglich sind. Fast einstimmig erklärten die Kids, dass sie Clowns nicht mögen – sogar vor ihnen Angst haben. Woran liegt’s?

Zum einen steckt wohl der Aspekt der Maskerade dahinter: Der Clown gibt sich fröhlich, bunt und freundschaftlich, doch was wirklich unter Schminke und Verkleidung steckt, bleibt verborgen. Der ganze Akt der Kostümierung schlägt in zahlreichen Geschichten ins Makabere und Düstere um: Wie die nette alte Dame im Lebkuchenhaus, die Hänsel und Gretel essen will. Dazu gesellt sich die Theorie des Unheimlichen (engl. „uncanny“): der Horror liegt im irgendwie Vertrauten, das jedoch gleichzeitig durch seine Andersartigkeit abstößt. Mehr dazu bei Ernst Jentsch, Sigmund Freud oder Martin Heidegger. Ein Clown ist nur irgendwie menschlich, aber eben kein richtiger Mensch, der sich nach unseren Maßstäben einschätzen lässt.

Geschichtlich gesehen reicht der Clown zurück zum Narren des Mittelalters, der außerhalb der Gesellschaft stand und in seinen Taten wie Worten unberechenbar sein konnte. Autoritäten wie Gott oder Könige erkannte er nicht an, den Teufel und Tod dafür schon.

CLOWN-Papa im Vergleich zu anderen Horror-Clowns

Filmgeschichtlich gesehen muss jeder Clown-Horror zuerst an STEPHEN KINGS ES (1990) vorbei (die Neuverfilmung kriegen wir wahrscheinlich 2017 zu sehen). Tim Curry als Pennywise prägte die Ur-Angst-Version und Horror-Kult-Clown mit Zentimeter dickem weißen Make-up, knallbunter Kostümierung und bitter-böser Attitüde. Auch seine Opfer sind Kinder, die er zuerst lockt und wie der Weihnachtsmann bestraft, wenn sie sich widersetzen. Dafür nutzt er seine Einblicke in die schlimmsten Alpträume der Kleinen (und später Erwachsenen). CLOWN versucht glücklicherweise nicht, diesem Vorbild in irgendeiner Weise nachzueifern. Mit einer eigenständigen Story und einem ganz anderen Monster-Design muss sich der Film an diesem Über-Bild nicht messen lassen.

Eine neue Facette für den düsteren Clown bot bereits 2012 der irische Splatter STITCHES – BAD CLOWN: Berufs-Clown Stitches ist schon zu Lebzeiten kein besonders netter Mensch, doch als er von den Toten aufersteht, wird es richtig blutrünstig. Er rächt sich an den Teenies, die als Kinder seinen Tod (mit-)verursacht haben. Sarkastischer und „geschmackloser“ geht kaum – für mich schon eine Spur too much. Doch genau das könnte man an CLOWN bemängeln, ein bisschen mehr Ironie hätte die Story gerade am Ende etwas vielschichtiger gemacht. Auch die Morde an den Kindern sind nicht besonders originell und ausführlich in Szene gesetzt, wofür ich jedoch dankbar bin.

Wie in DIE FLIEGE (1986) oder einem Werwolf-Film verwandelt sich der Protagonist von CLOWN unter Schmerzen zum Monster des Films. Ausgefeilten Body-Horror wie bei David Cronenberg darf man nicht erwarten, aber das Ergebnis überzeugt sowohl innerhalb des Spannungsbogens als auch effekttechnisch. Anstatt eine grotesk überzeichnete Clowns-Figur zu kreieren – wie Heath Ledgers Joker (THE DARK KNIGHT, 2008) – wird aus dem braven Kent ein beängstigender Dämon, mit dem Meg um das Leben ihres Sohnes verhandeln muss. Kennt jemand eine Clown-Story mit ähnlichem Twist? Mir fällt kein Vergleich ein.

In Sachen „real life horror“ muss ich an US-Serienkiller John Wayne Gacy denken. Von 1972 bis 1978 tötete der Familienvater, der in seiner Freizeit als Poco der Clown auftrat, 33 Jungen und Männer. Auch bei CLOWN schwingt das Element der sexuellen Triebtat bzw. der Pädophilie in der Darstellung des Hungers nach den meist männlichen kleinen Opfern mit – aber nie zu offensichtlich oder überstrapaziert.

Trivia: Horrorfilm 4.0

Bei Youtube werden nicht nur Musiktalente entdeckt – hier gewinnen clevere Filmemacher große Produzenten. Den ersten (Fake-)Trailer zu CLOWN stellten Regisseur und Ko-Drehbuchautor Christopher D. Ford bereits 2010 online und behaupteten, Eli Roth würde den Film produzieren. Dreistigkeit siegt, denn Eli Roth stieg daraufhin tatsächlich in das Filmprojekt ein, für das die Dreharbeiten 2012 in Kanada begannen. Daran beteiligte sich Eli Roth sogar als Schauspieler – in den Rückblenden schlüpft er in die Rolle von Frowny dem Clown.

Horrorshow-Fazit

CLOWN hat mich positiv überrascht. An der fehlenden Ironie und Tiefgründigkeit der Backstory habe ich mich kaum gestört. Nur die Hauptdarsteller Andy Powers und Laura Allen fand ich etwas zu blass. Das kommt vielleicht ihren Charakteren und der Geschichte zugute. Die Story mag erstmal trashig klingen, ist jedoch ohne große Patzer oder Hänger umgesetzt. Für mich besonders interessant war die Zweiteilung der Erzählperspektiven auf Mann und Frau – das hat nicht mal Cronenberg so ganz hingekriegt bei DIE FLIEGE. Als „Making of a Monster“-Film und Abendunterhaltung funktioniert CLOWN für mich in jedem Fall. Von einer Fortsetzung gehe ich fest aus und bin gespannt, in welche Richtung sich die Macher dann orientieren. Lasst mich wissen, wenn ihr was darüber hört!

Mehr zum Thema:
Über die DVD bei Tiberius-Film

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.