Monate: Juli 2016

Hinrichtungen in Hessen: Der Galgen von Beerfelden

Wirklich schaurig – auch am Tag: Der Beerfelder Galgen ist ein Zeitzeuge früherer Rechtsprechung und eines der bedrückendsten Ausflugsziele in Hessen. Vom Luftkurort Beerfelden führt die Airlenbacher Strasse direkt zur prominent gelegenen Richtstätte hinauf. Strafe oder Gnade – das Letzte, was die Kriminellen zu sehen bekamen, war in jedem Fall eine herrliche Aussicht. Ein erhabenes Naturpanorama und die Geschichte der Todesstrafe in Deutschland treffen an diesem Ort im Odenwald aufeinander. Heute könnte fast der Eindruck entstehen, als hätte hier der Tourismus die Oberhand gewonnen: Ein großer Parkplatz, ein herrlicher Blick auf Felder und Wälder, ein Picknick-Plätzchen und viele Wanderwege warten auf die Odenwald-Besucher. Aber die Atmosphäre auf dem Areal des sogenannten „dreischläfrigen Galgens“ verfehlt seine Wirkung trotz Ausflugsstimmung nicht. Da wirkt selbst ein normaler Radfahrer wie ein unheimlicher, lauernder Wolf. Der dreischläfrige Galgen im Odenwald Eine Begrenzung aus Steinen umsäumt den Platz. Alte Linden stehen rings um den monumentalen Galgen, der sich etwa fünf Meter in die Höhe erhebt. Drei formschöne Säulen aus Rotsandstein tragen die Holzbalken, an denen die Verurteilten ihren Tod fanden. Diese …

Kulturgut Meerjungfrauen: „Mermaids“ von Sophia Kingshill

Als Seemanns-Tattoo, Heldin eines Disney-Films oder gefährliche Verlockung auf dem Rhein – die Meerjungfrau ist ein kulturgeschichtliches Phänomen, über das sich dicke Wälzer schreiben lassen. Autorin Sophia Kingshill widerstand der Versuchung und hat dem Wesen aus Frau und Fisch „nur“ eine knackige Monographie gewidmet. „Mermaids“ ist ein kurzes und absolut empfehlenswertes Vergnügen auf knapp 150 Seiten mit vielen bunten Bildchen. „Mermaids“: die Meerjungfrau als Feministin Sophia Kingshill beginnt ihre Reise durch das Reich der Meerjungfrauen mit einem aktuellen spanischen Graffiti, das den Niedergang des Patriarchats fordert. Mit roter Farbe ist die Nixe an eine Steinwand gesprüht, in ihrer linken Hand hält sie (statt Spiegel und Kamm) ein Herz. Diesen „Urban Warrior“ sieht die Autorin als deutliches Zeichen dafür, dass die Figur der Meerjungfrau heute noch lebendig und wohl auf ist – als eine selbstbewusste und wütende Frau. Dieser modernen Perspektive setzt sie in zwölf Kapiteln historische Varianten der Meerjungfrau entgegen und geht dabei zurück in der Zeit wie bei einem Stammbaum: von der Moderne ins 19. Jahrhundert, in die Renaissance, das Mittelalter bis in die …