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America’s weird side: Geschichtsstunde mit Autor Robert Damon Schneck

„The President’s Vampire“ und „Mrs. Wakeman vs. the Antichrist“ heißen die beiden Bücher von Robert Damon Schneck, in denen er „Strange-but-True-Tales of the United States of Amercia“ erzählt – bis ins letzte Detail recherchiert und deshalb fast noch unglaublicher. Diese unmöglichen aber wahren, historisch belegbaren Geschichten handeln von falschen Magiern, unerklärlichen Vermisstenfällen, teuflischen Schreckgestalten, Bigfoot, skurrilen Selbstmorden und eben dem ersten Vampir in der US-amerikanischen Historie. Was will man mehr?

Literatur-Genre „strange-but-true“

Im Vorwort zu „The President’s Vampire“ legt Robert Damon Schneck die Crux seiner Bücher dar: Unglaubliche Geschichten, die sich jedoch rühmen wahr zu sein, sind schwer als hohe Wissenschaft verkäuflich – und meist schon gar nicht ohne sensationsheischende Überschriften. Glücklicherweise nimmt der Autor seine Themen ernst, die ihn seit seiner Schulzeit faszinieren.

Schneck selbst sieht sich in der Tradition des ersten modernen „strange-but-true“-Autors Charles Hoy Fort, der sich allen mysteriösen Phänomenen annahm, die die Wissenschaft links liegen ließ. Doch anders als Fort geht es Schneck darum, aus den paranormalen Geschichten das herauszufiltern, was real ist und etwas über die damalige Gesellschaft aussagt: Welche Sensationslust befriedigte Dr. Dedge um 1900, indem er Afro-Amerikanern Hörner implantierte und sie Kuriositäten anpries? Welche Rolle spielten die Zeitungen bei der Massenpanik 1951 in Baltimore – was wäre ohne die mediale Aufmerksamkeit aus dem springenden Phantom geworden?

Robert Damon Schneck: Dem Paranormalen auf der Spur

Leider betreiben Autoren für das Erzählen unglaublicher Geschichten nur selten solchen Aufwand wie Schneck. Bei jeder Story ist deutlich, dass er alle möglichen Quellen kennt, durchgewälzt hat, was die Archive so hergeben und darüber hinaus auch dem ein oder anderen Zeitzeugen hinterhergejagt ist. Es ist spannend und aufschlussreich, wenn er einen Schwindel entlarvt und aufregend, wenn der Geschichte auch nach langer Recherche noch ihr Mysterium erhalten bleibt.

Der größte Gewinn der beiden Bücher sind jedoch die geschichtlichen Hintergründe und der Blick auf das soziale Umfeld, in denen sich die Phänomene abspielten: von politischen Gegebenheiten bis zu folkloristischen Traditionen. Fetzige Schlagzeilen zu krassen Storys sind schnell verdaut, aber das genüssliche Zerpflücken von allem, was dahinter liegt, hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Horrorshow-Fazit

„The President’s Vampire – Strange-but-True Tales of the United States of America“ (Anomalist Books 2005, als Taschenbuch etwa 13,60 Euro, gebunden 21,60 Euro) und „Mrs. Wakeman vs. the Antichrist – And other Strange-but-True Tales from American History“ (Jeremy P. Tarcher/Pinguin 2014) von Robert Damon Schneck – beide Bücher sind für mich absolute Pageturner.

Manches Kapitel fand ich spannender und stärker als andere, aber das liegt wohl am persönlichen Interesse. In jedem Fall stimmt die Mischung der Themen, aus Fake und Phantastik, menschlichem Drama und Übernatürlichem. Schneck setzt hohe Standards und ich hoffe sehr, dass er schon am dritten Band dieser Reihe sitzt.

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