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Magisch: Der Menhir vom Béisenerbierg, Luxemburg

Luxemburg hat eine sehr spezielle Pilgerstätte zu bieten: Wo der Menhir vom Béisenerbierg steht, war in vielen Epochen ein Point of Interest – Neugier, Glaube, Geschäft, Spielleidenschaft… noch immer zieht es Menschen aus ganz unterschiedlichen Beweggründen an diesen Ort. Der Monolith oder auch Hinkelstein gilt als ältestes Monument Luxemburgs und der Ausblick auf die Umgebung hat tatsächlich etwas Erhabenes.

Die Geschichte des Luxemburger Menhirs

Zu finden ist der erste archäologisch belegte Menhir Luxemburgs bei Reckange-les-Mersch (deutsch: Reckingen). Das aus einem einzigen Stein hergestellte Monument steht auf einer Anhöhe und zwar dank geschichtsbegeisterter Anwohner, die sich „Les amix du vieux Mersch“ nennen. Bis 1978 lag der Sandstein wenig beachtet im Boden; bis sich die Anwohner um Maisy und Robert Weyrich-Fischbach sowie Roger Kugener ein Herz nahmen, den Menhir ausgruben und ein Stück weiter weg aufstellten.

Es dauerte trotzdem noch bis 2001, ehe sich das Nationale Museum für Kunst und Geschichte (Musée National d’Histoire et d’Art) an eine genaue Datierung machte. Die Entstehung des Monuments wird auf das Ende des Neolithikums (= Jungsteinzeit) datiert – das heißt, dass der Stein mehr als 4.500 Jahre alt ist. Laut Forschung stammt das Material nicht aus der näheren Umgebung, muss also von mindestens zwei Kilometern Entfernung an den Ort gebracht worden sein.

Sollte der drei Meter lange Sandstein mit einem Gewicht von 3,5 Tonnen als Grenz- oder Kultstein dienen? Warum die eigentümliche Form, die an eine menschliche Gestalt erinnert? Taille, Schultern und der Kopf sind erkennbar herausgearbeitet.

Zu Besuch beim Menhir vom Béisenerbierg

Der interessierte Besucher findet unterhalb vom Béisenerbierg Tafeln mit den historischen Erläuterungen. Den Menhir oben auf dem Hügel in 282 Metern Höhe zu platzieren, war goldrichtig. Ein kleiner verwunschener Pfad führt durch ein Gestrüpp auf die Anhöhe, die von Weiden umgeben ist. Der Weg und das Monument sind abgezäunt, so dass kein Vieh den Weg kreuzen kann. Platz ist dort nicht mal für eine Bank oder andere Sitzgelegenheit. Alles naturbelassen. Der Blick auf’s Umland einmalig schön. Es ist nicht schwer sich vorzustellen, dass dieser Ort für viele besondere Bedeutung hat(te).

Kultstätte von der Steinzeit bis heute

Als ich am Béisenerbierg ankomme, wundere ich mich über die vielen Autos – gibt es gerade eine Feier in der dort ebenfalls befindlichen Kapelle? Macht eine Gruppe Geschichtsstudenten eine Exkursion? Nein, es sind Pokemon-Pilger. Angeblich ist die Gegend ebenfalls bei Geo-Cachern sehr beliebt. Wer aus geschichtlichem Interesse vor Ort ist, erntet ein paar verständnislose Blicke.

So lässt sich schön nachverfolgen, wie Kultstätten von Generation zu Generation umfunktioniert und dabei aber immer wieder mit neuer Bedeutung aufgeladen werden.

Was auch das Monument der Jungsteinzeit bedeuten sollte, in späteren Zeiten (etwa um 1180) gab es dort einen Markt rund um die „Enelterkapelle“. Die Kapelle widmete man dem Heiligen Theobald von Provins, der als Einsiedler zeitweise auch in Luxemburg gelebt haben soll. Die Kapelle wurde drei mal (1751, 1897, 1996) erneuert bzw. restauriert und dem Heiligen Donatus geweiht. Seit 1802 findet der sogenannte „Eenelter Markt“ nicht mehr um die Kapelle sondern in Mersch statt.

Horrorshow-Fazit

Der Menhir vom Béisenerbierg ist ganz offensichtlich (noch) keine der Top-Touri-Attraktionen von Luxemburg – und gerade deshalb so aufregend. Die Location hat noch etwas Wild-Romantisches, vielleicht sogar Magisches. An der Kapelle vorbei steigt man den Hügel empor und in der Zeit zurück, die man beim Blick über die Landschaft beinahe vergessen kann. Im Kunst- und Geschichtsmuseum von Luxemburg-Stadt gibt es übrigens eine Replik des Menhirs – eigentlich schade, dass viele Museumsbesucher wahrscheinlich nie erfahren, wie der Stein in der Natur zur Geltung kommt.

Ausführlich wird über den Menhir und Wegkreuze in der Region in dieser Schrift berichtet.

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