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Ort der Inspiration: die Phantastische Bibliothek, Wetzlar

Der Aufruf einer Blog-Parade zum Thema „Was inspiriert Dich?“ hat mich mal wieder an einen meiner Lieblingsorte getrieben: die Phantastische Bibliothek in Wetzlar. Denn meine Faszination für das Düstere hat mit gruseligen Geschichten, Sagen und Märchen schon sehr früh ihren Anfang genommen. Die Antwort auf die Frage nach der Inspiration ist deshalb eigentlich ganz einfach: Das, was mich schon immer inspiriert hat!

Die etwas anderen Helden der Kindheit

Die Phantastische Bibliothek Wetzlar widmet sich mit einer großen Auswahl an Bilder-, Kinder- und Jugendbüchern sowie liebevoll eingerichteten Zimmern ausdrücklich auch an die Nachwuchsleser. Und genau dort komme ich ins Schwärmen. Zwischen den neuen schaurig-schönen Geschichten von Harry Potter bis zu den Tintenwelten von Cornelia Funke sind dort ebenso meine fantastischen Helden von früher zu finden: Otfried Preußlers kleines Gespenst, Hexe, Wassermann, Momo und Atréju von Michael Ende sowie natürlich Astrid Lindgrens Ronja Räubertochter und dieser seltsame Karlsson vom Dach.

Was mir dabei auffällt: Bei vielen Kinderbüchern sind die Grenzen fließend zwischen dem, was uns fasziniert und auch ein bisschen Angst macht. Wie langweilig wären solche Fantasiewelten ohne Fabelwesen, düstere Geheimnisse, verbotene Räume und zahllose Rätsel? Sie gehören ganz selbstverständlich zum Leben – und das habe ich mir aus meiner Kindheit wohl mitgenommen in meinen Erwachsenen-Alltag.

Gut und Böse im Märchen

Trotzdem stoße ich selbst an meine Grenzen, wenn es darum geht „das Böse“ zu vermitteln. Für meine kleine Tochter dichte ich die Märchen (noch) um. Der böse Wolf versteckt die Oma nur im Schrank, Hänsel und Gretel fliehen, ohne die Hexe ins Feuer zu schubsen… Sindbad der Seefahrer kommt noch gar nicht dran. Eigentlich seltsam, aus Elternsicht kommt mir doch vieles in den Märchen zu brutal vor. Wie lang es wohl dauern wird, bis mein Kind diesen Blog lesen darf?

Mir selbst konnte es als Kind auch bei Märchen nicht düster genug sein. Bis heute immer wieder gelesen: „Verschollene Märchen“ aus der Anderen Bibliothek (Herausgeber Johann Wilhelm Wolf). Da treffen die Menschen oft auf den Tod, Geister und andere unheimliche (Fabel-)Wesen.

Phantastische Bibliothek: Grusel für Große

Ein beziehungsweise zwei Stockwerke tiefer beherbergt die Phantastische Bibliothek die Science-Fiction-, Fantasy- und Horror-Schmöker sowie (pseudo-)wissenschaftliche Werke. Mir macht es genauso Spaß, auf die Bücher zu stoßen, die ich selbst Zuhause habe – wie neue zu entdecken. An einem Ort mit so einer geballten Ladung Fantasie zu sein, ist eine Art Bestätigung dafür nicht allein zu sein mit dieser Vorliebe für das Morbide und „Para-Normale“. Jeder Autor, Erzähler und Wissenschaftler widmet sich diesen Themen, die für andere Spinnereien sind, viel Zeit und Energie. Das ist für mich inspirierend!

Zum einen konsumiere ich, was diese Menschen zusammengetragen haben – zum anderen schreibe ich auf diesem Blog darüber, um die Inspiration und Begeisterung zu teilen und andere auf diese Schätze aufmerksam zu machen. Die Bücher inspirieren mich außerdem dazu, solche Orte aufzusuchen, die sich mit den düsteren Kapiteln unserer Kultur befassen. Denn nur darüber lesen, ist mir auf Dauer doch zu langweilig.

Mehr über die Phantastische Bibliothek

Das Geniale an der Phantastischen Bibliothek: Die Inspiration durch mehr als 260.000 Bücher gibt es gratis! Eine Spenden-Aktion ist gerade zu Ende gegangen – aber diese außergewöhnliche Institution ist weiterhin unterstützenswert!

Idee und Umsetzung: vom Lesen zum Schreiben

In diesem Beitrag zur Blog-Parade soll es auch darum gehen, wie ich von der Inspiration zur Umsetzung komme. Das allerdings ist noch schwerer greifbar als die Frage: Warum grusel ich mich gern? Manches Thema schwebt so lange in der Luft, bis das richtige Buch kommt, um darüber zu schreiben (wie Sophia Kingshills Abhandlung über Meerjungfrauen). Andere Texte bestehen Wochen lang aus Fragmenten und sind dann plötzlich doch schnell runtergeschrieben oder ergeben sich „ganz von allein“.

Einen großen Bogen mache ich jedoch bis jetzt um die Bücher, Orte und Filme, die mich am meisten bewegen. Wahrscheinlich ist es eine falsche Scheu, denn meinen „Horror-Evergreens“ will ich natürlich mit den größten Ehren gerecht werden. Aber das wäre nun das Thema für eine „Schreib-Blockade“-Blog-Parade…

Dieser Text gehört zur Blogparade „Was inspiriert Dich?“ des Netzwerks Ariadne und wird Teil eines eBooks. Kulturschaffende Kolleginnen und Kollegen aus dem Raum Wiesbaden, die noch bis zum 31. Oktober 2016 bei der Aktion mitmachen wollen, finden die Teilnahmebedingungen unter: https://netzwerkariadne.wordpress.com/2016/08/22/ein-ebook-zum-geburtstag

4 Kommentare

  1. Spannend! Ich wusste gar nicht, dass es so etwas wie eine Phantastische Bibliothek gibt. Man lernt ja nie aus 😀, was natürlich sehr gut ist.
    Lieben Gruß,
    Kari

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