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Filmrezension: SOUTHBOUND

Was der Nikolaus mit bösen Kindern macht, weiß jeder. Wo die bösen Menschen nach dem Tod für ihre Sünden büßen, ist eine ganz andere Sache. SOUTHBOUND (2015) liefert eine interessante Höllen-Vision. Die Macher von V/H/S haben sich den Wackelkameras entledigt und einen durchgestylten Episoden-Horror produziert, der mit mehr Originalität aufwartet, als gedacht. Willst Du mehr erfahren, lies weiter.

SOUTHBOUND: Auf dem Highway ist die Hölle los

Der Highway führt in den Süden. Zwei blutverschmierte Typen sitzen im Auto, der eine hat ein Foto eines Mädchens in der Hand. Spätestens als zwei schwarze Sensenmann-Versionen (oder sind es eher Todesengel?) in der Luft schweben, ist klar, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Als dann im Diner, in das sich die beiden flüchten, auf einem kleinen Fernseher auch noch TANZ DER TOTEN SEELEN läuft, muss bei jedem der Groschen fallen: Der Highway führt nicht nur in den Süden sondern in eine Hölle, wie sie der Zuschauer noch nie gesehen hat.

Einen kurzen Abstecher machst Du im Trailer:

Aus diesem Höllen-Szenario gibt es für keinen der Beteiligten ein Entkommen. Sie alle sind gefangen, in ihrem persönlichen Alptraum, der mehr oder weniger ihren Sündenfall erklärt. Aber es gibt auch andere, die sich bewusst dazu entschlossen haben, in dieser Unterwelt zu leben.

Episoden-Horror als Höllen-Fahrt

Die Location der Hölle ist die Rahmengeschichte für einzelnen Schicksale. Die Frauen-Rock-Band „Siren“ fällt beispielsweise einem Satanskult zum Opfer, weil sie nicht ganz unschuldig am Tod eines ihrer Mitglieder sind. Ein anderer will seine Schwester aus der Hölle befreien. SOUTHBOUND schließt mit den ersten beiden Typen, die den Tod des kleinen Mädchens rächen – für die Vergeltung jedoch nichts als die ständige Wiederholung der Tat ernten.

Die Übergänge zwischen den Storys sind fließend, so wird eine der jungen Musikerinnen von einem Mann angefahren und ziemlich übel verwundet. Auf dem Weg ins Krankenhaus und in einem OP-Raum hält sich dieser an die Instruktionen des Notrufs – doch die führen natürlich auch nur Böses im Schilde. Diese Episode war für mich der Höhepunkt, atmosphärisch wie erzählerisch und hat ganz bestimmt zur 18er-Freigabe geführt.

Drag me to hell

Höllendarstellungen gibt es in unzähligen Filmen – selbst Woody Allen stieg in HARRY AUSSER SICH (1997) schon in die Unterwelt hinab. Meist geht es dort heiß her: Neben Feuer und Finsternis gibt es dort natürlich noch viele leidende Sünder (vorzugsweise nackte). Viel vom Höllen-Klischee stammt aus den Beschreibungen von Dante Alighieri in seiner „Göttlichen Komödie“ (Anfang 14. Jahrhundert) und mittelalterlichen Schreckensvisionen. Dass die Hölle aber auch ein Ort sein kann, der unserem irdischen Dasein recht ähnlich ist, zeigen wenige Produktionen (Ausnahme: die Amazon-Serie PREACHER) – und ein Film, der ausschließlich in der Hölle spielt, ist mir gar nicht eingefallen. Dir vielleicht? Hinterlass ein Kommentar!

Horrorshow-Fazit

SOUTHBOUND hat mich mit ein paar guten Einfällen und einem gut durchdachten Höllen-Szenario positiv überrascht. Als Zuschauer gibt man die Suche nach Identifikationsfiguren allerdings schnell auf. Da die Geschichten und Personen dazu noch recht schnell wechseln, entsteht also höchstens ein Funke von Mitgefühl. Das wiederum führt dazu, dass der Höllen-Trip zwar unterhält, aber nicht so richtig bewegt oder mitreißt. Alles in allem also sehr gelungen mit ein paar bleibenden Momenten, aber nichts für eine Top50-Liste.

2 Kommentare

  1. Liebe Mimi,

    mal wieder ein sehr unterhaltender und lehrreicher Artikel, vielen Dank dafür.
    Mir ist spontan auch nur ein Film eingefallen, der theoretisch in der Hölle, oder zumindest einer höllenartigen Ebene spielt: „Silent Hill“. Wenn man danach gehen würde wäre „Katakomben“ vielleicht auch ein Abstieg in die Hölle, zumindest in eine Ebene dazwischen… Vielleicht eher Fegefeuer? Aber komplette Handlung von Anfang bis Ende in der Hölle ist mir auch neu.

    Southbound klingt für mich auf jeden Fall nach einem echt coolen und interessanten Film, den ich mir wohl mal ansehen muss!

    • Mimi sagt

      Hey Mona,

      vielen Dank! Ein guter Grund, mal wieder „Silent Hill“ zu schauen 🙂 Und stimmt, „Katakomben“ ist ein gutes Beispiel – wie hat der dir gefallen?

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