Allgemein, Filme
Schreibe einen Kommentar

Fantasy Filmfest White Nights 2017: THE VOID und mehr

Draußen ist es arschkalt und drinnen ganz schön blutig: Bei den Fantasy Filmfest White Nights in Frankfurt gab es im Januar 2017 echt was zu sehen: PREVENGE, SAFE NEIGHBORHOOD und THE VOID hatte ich mir rausgesucht und wurde (fast) nicht enttäuscht. Trailer und eine Kurzkritik zu den ganz unterschiedlichen Streifen findest Du hier.

New Flesh: THE VOID

Ich fange hinten an und muss sagen, die Fantasy Filmfest White Nights 2017 habe ich etwas ratlos gelassen. THE VOID war ein harter Brocken für meinen Abschluss, der mich in den ersten 30 Minuten absolut elektrisiert hat. Vom Festival als ernst, hart und dreckig angekündigt, war ich wohl nicht die Einzige, die große Erwartungen hatte. Und zum Anfang wurden die auch voll erfüllt: Die Referenzen zu den Großen 1980er Jahren Horrorfilmen von HELLRAISER bis THE THING sind eindeutig und erfreuen das Horrorfan-Herz durch die geschickte Kombination und vor allem, den Mut zu echten Abgründen.

Zur Story: Der Zuschauer wird mitten hineingeworfen in eine Story voller Geheimnisse, bei der Tote zu schrecklichen Monstern mutieren, eine Handvoll Menschen mit ihnen in einem Provinz-Krankenhaus feststecken und von kuttentragenden Kultmitgliedern bewacht werden. Nach und nach klärt sich einiges, bis auf manche Schwächen in der Story und dem bewusst etwas offenen Ende.

Leider kann ich immer noch nicht sagen, was genau THE VOID fehlt, um ein rundum gelungener Horror-Schocker zu sein. Vielleicht sind ein paar Versatzstücke doch zu klischeehaft für das ansonsten so eigensinnige Werk. In jedem Fall hat dieser mystisch anmutende Body-Horror genug Alptraum-Material, um nachhaltig zu verstören und aus der Masse herauszustechen. Ein paar Kinobesucher haben den Filmabend in Frankfurt jedenfalls vorzeitig beendet. Ich empfehle ihn in jedem Fall als düstere Mutprobe für alle Lovecraft-Freunde.

Frauen vor: PREVENGE

Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein: In diesen Tagen marschieren auf der ganzen Welt Frauen gegen Sexismus und Rassismus – und eine Frau hat dafür den passenden Film gemacht. Hysterische und geschwächte Schwangere wie bei ROSEMARIES BABY sind Geschichte. In PREVENGE macht Regisseurin, Autorin und Hauptdarstellerin Alice Lowe kurzen Prozess mit den üblichen Schwangerschafts-Werbebotschaften, Egoisten und allen, die sich ihr und ihrem Baby in den Weg stellen.

Zur Story: Ruth ist schwanger – doch Freude empfindet sie keine, denn der Vater ihres Babys ist ums Leben gekommen. Mutter und Kind haben sich für eine besondere Form der Trauerarbeit entschieden: Angeleitet von der Stimme ihrer Tochter zieht Ruth die Verantwortlichen für die Tragödie zur Rechenschaft. Egal ob schleimige Typen, lebensunfähige Muttersöhnchen, karrieregeile Frauen oder der eigentlich ganz sympathische Kletter-Lehrer – sie alle bekommen es mit dem schwangeren Racheengel zu tun. Das wird blutig, bitterböse und auf sehr geschickte Weise komisch!

Meine Schwangerschaft ist noch nicht so lang her und deshalb bewundere ich Alice Lowe umso mehr: Sie spielte Ruth tatsächlich, während ihrer eigenen Schwangerschaft. Vielleicht gibt das dem Film noch mehr Authentizität und ihr noch mehr Ausdruckskraft. Doch auch die Nebenfiguren (u.a. Kate Dickie) sind sehr geschickt gewählt, sie kommen neben der starken Frau nicht zu kurz.

Bei den Fantasy Filmfest White Nights hat auch das männliche Publikum ordentlich gelacht, aber (ohne sexistisch sein zu wollen) so richtig zünden werden einige Pointen wohl nur bei Müttern. Von den vielen „gut gemeinten“ Ratschlägen („Keine negativen Gefühle ausleben, die sind schlecht für das Baby“) bis zum Baby-Yoga und der Baby-Meditation nimmt Lowe die typischen Schwangerschaftsbegleiter auseinander. Als Mutter fand ich das sehr befreiend und hoffe, bald noch mehr von dieser talentierten Britin zu sehen. Alles in allem mein Favorit in dieser Runde.

Verspätete Weihnachten: SAFE NEIGHBORHOOD

Bei uns läuft SAFE NEIGHBORHOOD passend zur vorweihnachtlichen Story erst im Herbst in den Kinos an und wird wahrscheinlich auch hier das Publikum begeistern. Bis jetzt gibt es nicht mal einen offiziellen Trailer, aber sein guter Ruf ist dem Film in jedem Fall vorausgeeilt und deshalb will ich auch gar nicht mehr zu viel darüber schreiben bzw. den für mich sehr überraschenden Twist  vorwegnehmen.

Zur Story: Ein verliebter 12-Jähriger hat den Winterabend mit seiner schönen Babysitterin bis ins letzte Detail durchgeplant: Heute Nacht soll es passieren, denn sein Schwarm verlässt schon bald die Stadt. Doch die denkt natürlich nur an ältere Jungs und kreiert damit ungewollt die explosive Mischung, die den Abend in ganz andere Bahnen lenkt, als alle Beteiligten gedacht haben.

Lustig und mit einer ordentlichen Portion Weihnachtsdeko beantwortet SAFE NEIGHBORHOOD die Frage, wie es aussieht, wenn in KEVIN ALLEIN ZU HAUS Blut geflossen wäre (und sich die Macher ein Vorbild an FUNNY GAMES genommen hätten). Die jugendlichen Darsteller tragen den Film mit Bravur, auch wenn die Sympathien schnell etwas zu eindeutig verteilt werden. Trotz all des Lobes, in meine Top 10 der Weihnachts- und Winterhorrorfilme schafft er es leider nicht. Gefühlsmäßig herrschte bei mir eher Frost, nach dem Überraschungscoup gings für mich eher abwärts und mit dem Schluss war ich nicht ganz happy. Daher: Sehr empfehlenswert als gute Unterhaltung, aber ohne Kultpotential.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.