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Höhlen, Wunder, Heiligtümer – Buchtipp zu Deutschlands magischen Orten

„Deutschland besitzt zwar keine so spektakulären Fundorte wie etwa Stonehenge in England“, stellen Autor Heinrich Pleticha und Fotograf Wolfgang Müller fest, mit ihrem Bildband „Höhlen, Wunder, Heiligtümer – Mythische und magische Plätze in Deutschland“ beweisen sie jedoch, dass es hierzulande so einige andere aufregende Reiseziele gibt. Mal versteckt und von der Zeit fast vergessen – mal als Touristenattraktion ausgewiesen, überrannt und ihres ursprünglichen Charmes fast beraubt. Erfahre, was Dich in diesem Buch erwartet.

Geschichte: zwischen Fakten und Emotionen

Im Vorwort gibt der Autor zu, dass er sich mit der Auswahl der mythischen und magischen Plätze Deutschlands auf einem nebulösen Feld bewegt: „Es geht um Geschichte und Sage, also Geschichte und Geschichten, um die Spuren der Vergangenheit und um ihr Erleben…“ Wer also Lust hat, Geschichte an 60 geschichtsträchtigen Orten zu erleben, die heute noch besucht werden können, findet hier kompakte Empfehlungen.

Pleticha verweist später auf einen weiteren wichtigen Aspekt: Der Bildband enthält keine Reisetipps zu Kraftlinien, Erdstrahlen, Energiefeldern oder Lichtorten. Auf dem Esoterik-Markt gibt es dafür andere Publikationen. Vielmehr geht es darum, sich solchen Plätzen zu widmen, die etwas Magisches, Mythisches, Geheimnisvolles haben. Diese Erfahrung kann man dort auch heute noch machen – auch, wenn man ganz und gar nicht an die Wirkung von Energiefeldern glaubt.

„Die Wissenschaft ist manchmal sehr rasch mit Erklärungen, aber auch mit Verurteilungen zur Hand. Gelehrte runzeln gern die Stirn, wenn von Geheimnissen die Rede ist, haben diese doch in den wissenschaftlichen Systemen unserer so rational geprägten Zeit wenig oder gar keinen Platz.“ Zum Glück gibt es solche Bücher, um dagegenzuhalten.

Magie in Deutschland

Keltische Kultplätze, christliche Wallfahrtsorte, Burgen, Gesteinsformationen und Brunnen…Insgesamt finden bekannte Orte wie der Frau Holle-Berg (Hohe Meißner), der Mummelsee im Schwarzwald, der Aachener Münster und die Loreley am Rhein genauso Erwähnung wie fast vergessene (oder mir zumindest noch nicht bekannte) Plätze. Der Bildband ist dabei grob zeitlich aufgeteilt. Es geht von den „Merkwürdigen Plätzen der Frühzeit“ zu den „Magischen Plätzen in Deutschland“ und den „Heiligen Plätzen und Wallfahrtsorten“. Keine Frage, der letzte Teil „Schauplätze merkwürdiger Sagen“ hat mich am meisten begeistert.

Wer schreibt eigentlich magische Reiseführer?

Für die Recherchen eines solchen Buchs muss man gut zu Fuß sein. Dass Heinrich Pleticha die meisten, wenn nicht sogar alle Orte mit seinem Fotografen selbst besucht hat, glaube ich nach dem Lesen sofort. Die Art der Beschreibung und auch des (Wander-)Weges zu den Plätzen hin gibt darüber Aufschluss. In diesem Sinn finde ich es gut, dass im Buch nur solche Orte drin sind, die wirklich besucht werden können und zum Beispiel nicht auf Privatgrundstücken liegen. Einzige Ausnahmen: Runghold und Vieneta, diese Städte sind im Meer versunken.

Doch nicht nur seine Reiselust und seinen Entdeckergeist machen den Autor aus. Der leider bereits 2010 verstorbene Pleticha hat als Schriftsteller und Herausgeber an rund 100 Büchern gearbeitet, Gesamtauflage mehr als fünf Millionen Exemplare. Sein Spezialfeld: historische Sachbücher – auch für Jugendliche. Ein enormes fachliches Wissen und die Fähigkeit kurzweilig und auf den Punkt zu schreiben, sind Zeichen von Pletichas Erfahrungsschatz. Dafür gab es 1986 sogar das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Eine echte Bereicherung, dass sich ein erfahrener Autor so einem „Randthema“ widmet.

Die Fotos von Wolfgang Müller sind atmosphärisch und nehmen gebührenden Platz im Bildband ein. Natürlich merkt man ihnen ein gewisses Alter bzw. ihre Herkunft aus der Pre-Bildbearbeitungs-Ära an. Dazu kommen gut gewählte historische Abbildungen, die zu den geschichtlichen Verweisen passen.

Horrorshow-Fazit

Mal wieder handelt es sich hier um eine antiquarisches Kleinod an Buch, das es für wenige Cent zum Beispiel auf Amazon gibt. Das Format macht es nicht unbedingt zum idealen Reisebegleiter, aber dazu ist der Bildband mit seinen 180 Seiten auch nicht gedacht. Laut Autor genüge es schon, „wenn er auf seine Art einmal ein paar neue, nicht ganz alltägliche Anregungen bietet.“

Beim Lesen kriegt man echt Lust auf Unternehmungen und stellt mal wieder fest, dass Deutschland mehr magisches Potential hat, als man so denkt. Die Texte bringen ganz unaufdringlich geschichtliche Daten zusammen, ohne den Leser mit zu vielen Infos zu erschlagen. Mit der nötigen Prise Humor versehen liest sich das Buch schnell und abwechslungsreich. Wer Freude an magischen Sagen, Historie und der Natur hat – kann mit „Höhlen, Wunder, Heiligtümer – Mythische und magische Plätze in Deutschland“ (Verlag Herder, 2000) von Autor Heinrich Pleticha und Fotograf Wolfgang Müller nichts falsch machen.

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