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DVD-Review: Ouija 2 – Ursprung des Bösen

Hasenfuß Mimi lässt lieber die anderen mit dem Bösen spielen: Das Ouija-Brett bringt Mutter Alice und ihre zwei Töchter in Kontakt mit dem Jenseits und erklärt die Geschehnisse hinter OUIJA- SPIEL NICHT MIT DEM TEUFEL. Die Fortsetzung OUIJA 2: URSPRUNG DES BÖSEN (2016) kommt am 23. Februar 2017 auf DVD raus und übertrumpft den Vorgänger in Sachen Story, Figuren und Atmosphäre.

OUIJA 2: URSRPUNG DES BÖSEN

Die Geschichte ist schnell erzählt: OUIJA 2 reist ins Jahr 1967, nach Los Angeles. Nach dem Tod ihres Mannes bietet Alice (Elizabeth Reaser) anderen trauernden Angehörigen die Möglichkeit, mit den Verstorbenen Kontakt aufzunehmen. Um das Ganze überzeugend zu inszenieren, kriegt sie Hilfe von ihren Töchtern Lina (Annalise Basso) und der kleinen Doris (Lulu Wilson). Damit will sie nur Gutes, doch als sie ein Ouija-Brettspiel kauft, um die Show etwas aufregender zu gestalten, stellen sie einen Kontakt zu Geistwesen her, die besser hätten stumm bleiben sollen.

Doris fungiert als Medium, was seinen Preis hat. Eine beängstigende Veränderung geht mit dem Kind vor sich, die auch Schul-Priester Tom Hogan (Henry Thomas) auf den Plan ruft.

Hier der offizielle Trailer zu OUIJA 2 – URSPRUNG DES BÖSEN

OUIJA 2: Das Böse schlecht sich an

Horror-Regisseur und Drehbuch-Autor Mike Flanagan (OCULUS 2013, ABSENTIA 2011) soll kein großer Fan von Fortsetzungen sein, doch die Aussicht aus dem Teenie-Horror OUIJA etwas ganz anderes machen zu können, hat ihn doch gereizt. So sind sich die meisten Kritiker einig, dass der erste Teil zwar erfolgreich aber nicht überdurchschnittlich gut ist und Teil 2 den Erstling locker überflügelt.

Beide Filme haben wirklich kaum etwas miteinander zu tun – außer dem Brettspiel, dem Haus und den Figuren der spirituellen Mutter und ihrer zwei Töchter, die durch das Spiel böse Mächte in die Welt holten. QUIJA 2 ist warmherziger, das Familiendrama geht mehr ans Herz als das Schicksal der Jugendlichen in Teil 1. Auch der Ort des düsteren Hauses, in dem sich der Großteil des Films abspielt, schafft eine viel bedrohlichere Atmosphäre als die Kinderzimmer des Vorgängers. Außerdem ist der Film ein weiterer guter Beweis, warum Horrorstreifen, die in der Vergangenheit spielen, so angesagt sind – wenn das Retro-Thema so gekonnt umgesetzt wird, macht das Schauen extra viel Spaß.

Die Schockmomente sind gut gesetzt, das Böse kommt auf bedrohlich leisen Pfoten. Langsam und deshalb umso effektiver. Während OUIJA 1 noch an die FINAL DESTINATION-Serie erinnert, ist die Fortsetzung deutlich eigenständiger. Die Erzählung zeigt wieder: Die Story hinter einem Horrorfilm muss nicht abgedreht oder besonders grausam sein, um Grauen zu erzeugen.

Die Geschichte des Ouija-Bretts

Gern wird um die Herkunft des Ouija-Brettes ein Geheimnis kreiert. Klar ist, dass die Entstehung aus der Obsession des 19. Jahrhunderts mit dem Okkulten resultierte. Seancen waren angesagte gesellschaftliche Events; es war in, sich mit Spiritualität zu beschäftigen und mit der Geisterwelt zu kommunizieren. Von Europa schwappte die Welle um 1850 nach Amerika. Kontakt nahm man unter anderem durch das sogenannte „automatische Schreiben“ auf, bei dem ein Medium die Botschaften aus dem Jenseits aufschrieb. Oder die Teilnehmer der Seance berührten alle einen runden Tisch, der bei Geistkontakt zu wackeln begann.

Um 1886 tauchte das Ouija-Brett auf, das eine unkomplizierte Art der Kontaktaufnahme möglich machte: Mit Hilfe der Buchstaben und der Planchette war es möglich, ohne Medium schnelle Antworten von Verstorbenen zu erhalten. Zu dieser Zeit war daran nichts Verwerfliches oder Gruseliges. 1890 wurde eine eigene Firma, die Kennard Novelty Company, gegründet, um das Ouija-Spiel exklusiv auf dem Markt zu vertreiben – dahinter standen keine Spiritualisten sondern clevere Buisness-Köpfe um Charles Kennard. Der Name „Ouija“ soll übrigens bei einer Sceance aufgekommen sein (in Anlehnung an die Frauenrechtlerin Ouida) und sich nicht aus dem französischen „oui“ und dem deutschen „ja“ zusammensetzen.

Über die Jahre wurde das Patent einige Male weiterverkauft, vermarktet stets als eine Mischung aus mystischem Orakel und Familien-Brettspiel. Die Popularität von Ouija flammte immer wieder auf, so auch 1967 (wenn OUJA 2 spielt), als die Parker Brüder die Rechte daran kauften und über zwei Millionen Bretter verkauften – eine Zeit der Unsicherheit in den USA zwischen Vietnam-Krieg und Flower-Power.

Ouija heute

Natürlich helfen der Berühmtheit des Brettspieles die Geschichten, die sich darum ranken: Von Ouija inspirierten Morden, Psychosen bis zum Einzug in die Pop-Horror-Kultur, hauptsächlich durch den Film DER EXORZIST (1973). Damit bekam das anfangs als harmlos angesehene Brettspiel seinen schlechten Ruf als Tor zur Hölle. Religiöse Gruppen verbrennen die Bretter und warnen vor den üblen Einflüssen. Viele aktuelle Horrorfilme wie PARANORMAL ACTIVITY bedienen sich gern dieser gruseligen Aura und setzen das Ouija als Requisite ein.

Heute hält die Spielefirma Hasbro das Patent und hat auch der Verwendung in OUIJA zugestimmt. Doch längst vor den beiden Horrorfilmen war das typische Ouija-Brett-Motiv auf allem möglichen Merchandise aufgetaucht: Schau mal bei Etsy nach, dort kriegst du Ouija-Kissen, -Handtücher, -Shirts, -Ketten und vieles mehr.

Wie Ouija funktioniert

Das Spiel ist auch für die Wissenschaft interessant, die die Funktionsweise mit dem Ideometer-Effekt erklärt: Hinter der Bewegung der Planchette sollen automatische Muskelbewegungen stecken, die unterbewusst von den Teilnehmern ausgeführt werden. Daher die ungläubige Reaktion jedes Einzelnen, wenn sich die Planchette tatsächlich bewegt. Besonders mit der gewissen Gruppendynamik und Erwartungshaltung, sei es nicht überraschend, dass das Spiel scheinbar „funktioniere“, folgern Wissenschaftler. Sie setzen sich gern mit dem Spiel auseinander, da es viel über das Unbewusste und menschliche Verhaltensweisen verrät. Immer wieder gibt es aktuelle Studien dazu.

Horrorshow-Fazit:

Ich gehöre definitiv zur Generation, die mit dem bösen Ruf des Ouija-Brettes aufgewachsen ist. An Geschichten von Jugendlichen, die sich nach dem Spielen von Dämonen verfolgt fühlen, kann ich mich gut erinnern. Deshalb habe ich es wohl auch nur einmal an Halloween gespielt – mit selbstgebastelten Buchstaben und einem Kumpel, der ganz offensichtlich das Wasserglas in die entsprechenden Richtungen geschoben hat. Bis heute möchte ich kein Ouija-Brett im Haus haben, so stark haben sich also die Urban Legends bei mir festgesetzt.

Genau deshalb funktioniert OUIJA 2 für mich so gut (und Teil 1 übrigens auch) – der Kontakt mit gefährlichen Geistern hat für mich viel Grusel-Potential. Aber auch der Rest funktioniert: Es gibt ein menschliches Drama, tolle Darsteller und einen Spannungsbogen der bis zum Schluss ansteigt. Das Retro-Setting stimmt bis in den kleinsten Winkel. Nur die Backstory finde ich mal wieder etwas lahm, aber der wird glücklicherweise nicht zu viel Raum geschenkt.

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