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Burg Frankenstein im Odenwald: Spukort oder nicht?

Zum alljährlichen Halloween-Groß-Event ist die Burg Frankenstein im Odenwald der Horror-Hotspot Deutschlands. Ob sich dort auch in der restlichen Zeit des Jahres Geister und Gruselgestalten tummeln – und ob sich „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley auf ihrer Deutschlandreise von diesem Ort und seinen Geschichten inspirieren ließ, beschäftigt zahlreiche (selbsternannte) Experten. Mach mit mir einen kleinen Ausflug zu dieser berüchtigten Burg und mitten rein in den Streit um ihr historisches Erbe.

Burg Frankenstein: Historiker gegen Geschichtenerzähler

Die Burg Frankenstein ist ein schönes Beispiel für das unbändige menschliche Streben nach Mythen. Obwohl Historiker und Geschichtsvereine ein- und nachdrücklich darlegen, dass Autorin Mary Shelley die Burg Frankenstein weder besucht, noch sie auf ihrer Rhein-Flussfahrt gesehen haben kann, hält sich das Gerücht, dass sie sich dort den Namen für ihren frühen SiFi-Klassiker abgeschaut haben soll. Wenn es nach der Meinung einiger Autoren und Fremdenführern wie Walter Scheele geht, soll sie außerdem die historische Figur des Johann Konrad Dippel von Frankenstein als Inspirationsquelle für ihren Charakter des Victor Frankenstein hinzugezogen haben.

In dieser Debatte haben sich schon zahlreiche Köpfe zu Wort gemeldet. Der selbsternannte Frankenstein-Experte Walter Scheele ist quasi das Feindbild der Geschichtswissenschaftler: Denn er gibt nicht viel auf die Angabe von Quellen oder historischen Belegen und darf trotzdem über die Burganlage führen und ist beliebter Interview-Gast für internationale TV-Teams, die sich des Themas annehmen.

Sein Buch „Burg Frankenstein. Mythos, Wahrheit, Legende“ kriegst Du gebraucht für etwa 6 Euro – und seinen schönsten Auftritt in der genialen Folge von GHOST HUNTERS INTERNATIONAL von 2008 siehst Du hier in voller Länge:

Burg Frankenstein und Johann Konrad Dippel

Wie in so vielen Fällen ist der Mythos spannender und stärker als die Wirklichkeit und das führt dazu, dass Geschichtenerzähler wie Scheele mehr Aufmerksamkeit abgreifen. Unstrittig ist, dass Johann Conrad Dippel von 1673 bis 1734 gelebt hat und im Forsthaus auf Burg Frankenstein geboren wurde. Nach einem Philosophie-Studium an der Uni Gießen, wählte er schließlich das Fach Theologie. Später zog es ihn durch Europa, allerdings wohl nicht mehr zurück auf Burg Frankenstein. Er verkehrte mit Königen und Grafen und war hoch angesehen. In jedem Fall ist Dippel eine spannende Persönlichkeit, an der sich die geistlichen Strömungen der Zeit ausmachen lassen.

Was Shelley an seinem Leben inspirierend gefunden haben könnte, ist seine Begeisterung für die Alchemie: Unter anderem versuchte er, Gold herzustellen. Sein Interesse für die Medizin und sein mystisch-pietistischer Glaube macht ihn in besonders düsteren Legenden zu einem Leichenfledderer, der einen künstlichen Menschen erschaffen wollte – in der Annahme, dass das Geistige über das Materielle siege. Dieses Gedankengut war auch zur Entstehungszeit von „Frankenstein“ Anfang des 19. Jahrhunderts noch aktuell. Dass Shelley sich jedoch konkret an Dippels Lebenslauf bedient hat, lässt sich nicht 100 prozentig nachweisen – nur der Name Frankenstein könnte Referenz darauf sein. Im Buch selbst taucht nicht mal eine Burg auf.

Die Drachenlegende von Burg Frankenstein

Aber warum sich um die „Frankenstein“-Story streiten, wenn es doch eine andere schöne Legende gibt, die mit dem Ort verhaftet ist? Ritter Georg (oder Hans) von Frankenstein stellte sich mutig einem Drachen, der die Bewohner der Gegend nur an den Brunnen ließ, wenn sie ihm vorher ein Tier oder eine Jungfrau zu fressen gaben. Im Kampf behauptete sich der Ritter gegen das Untier und schlug ihm den Kopf ab. Doch mit einem letzten Zucken seiner Schwanzspitze erwischte der Lindwurm Georg in der Kniekehle. Der tapfere Ritter starb am Drachengift – aber sein Andenken wird durch ein stattliches Grabmonument noch heute erhalten.

Damit jedoch nicht genug: Auch auf Burg Frankenstein soll eine weiße Frau (die Geliebte von Ritter Georg?) wandeln, die vor allem im Turm spukt. Im Berg, dem Frankenstein, soll es außerdem versteckte Gänge und Schätze geben. Auf der Suche nach ihnen haben Schatzsucher ohne Interesse an Denkmalschutz im 18. Jahrhundert noch zum Verfall der Burgruine beigetragen haben.

Touri-Fakten zur Burg Frankenstein

Wenn Du in der Nähe von Darmstadt unterwegs bist, solltest Du unbedingt einen Abstecher nach Eberstadt im Odenwald machen. Von dort aus ist die Burg Frankenstein ausgeschildert. Sie ist die nördlichste Burg an der Bergstraße und thront 400 Meter über der Rheinebene. Errichtet wurde sie im 13. Jahrhundert, die Herren von Frankenstein verkauften sie 1662 an Landgraf Ludwig VI. Von Hessen-Darmstadt. Als Invalidenhaus und Zufluchtsort zerfiel die Anlage immer mehr, erst im 19. Jahrhundert kümmerte sich Großherzog Ludwig III. um die Restaurierung.

Heute findest Du Burg Frankenstein in einem recht romantischen Zustand: Die Ruine ist noch gut erhalten, hinter dicken Mauern warten die Türme und Fachwerkgebäude sowie ein neu errichtetes Restaurant. Außerdem kannst Du in die Kapelle gehen, in dem das GHOST HUNTER-Team nachts seltsame Geräusche aufzeichnete. Wenn nicht gerade eine Open-Air-Hochzeit vorbereitet wird wie bei unserem Besuch, trägt Dich Deine Fantasie vielleicht in längst vergangene Zeiten.

Den richtigen Grusel-Faktor kriegst Du aber wahrscheinlich nur an Halloween, wenn die Erschrecker dort ihr Unwesen treiben. Dieses mehrwöchige Event geht übrigens auf die in Hessen stationierten US-amerikanische Soldaten zurück, die die Location bereits in den 1970ern für ihre Halloween-Partys auserkoren haben.

True Crime auf Burg Frankenstein

Was auch für Schauer sorgen könnte, sind zwei aktuelle Mordfälle, die mit der Burg in Verbindung stehen. 2012 fand ein Pilzsammler am Frankenstein eine Leiche ohne Kopf und Beine. Durch auffällige Tattoos und Schmuck konnte der Mann aus Büttelborn identifiziert werden. Sein Mitbewohner wurde später als Täter verurteilt – doch Beine und Kopf bleiben bis heute verschwunden.

Bereits 2003 sorgte eine Leiche ohne Kopf für Schlagzeilen, die auf einem Parkplatz von Burg Frankenstein abgelegt worden war. Die Familie des Mannes hatte ihn getötet. Vielleicht ist das Karma dieses Ortes doch nicht ganz so gut…

P.S. Besuche auch den Beerfelder-Galgen oder das Felsenmeer, ganz in der Nähe!

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