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Beste Horrorfilme #2: Basket Case

Manchmal darf es Schmuddel sein – und BASKET CASE – DER UNHEIMLICHE ZWILLING (1982) ist wirklich schmuddelig, dreckig und manchmal ekelig. Ganz klar, dieser Streifen ist mein Lieblings-Horror-Trash-Film, nicht nur weil er aus meinem Geburtsjahr stammt. Vielleicht kann ich Dich ja auch dafür begeistern?

1982: ein guter Horror-Jahrgang

Als Kind der 1980er verbindet mich mit den Horrorfilmen dieser Dekade emotional besonders viel. Wenn ich mir speziell die Werke aus meinem Geburtsjahr anschaue, muss ich feststellen: Für den fantastischen Film war das ein tolles Jahr. Den kommerziellen Abschuss landete das Science-Fiction-Märchen E.T., doch auch die Genre-Klassiker DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (JOHN CARPENTER’S THE THING), POLTERGEIST und KATZENMENSCHEN (CAT PEOPLE) stammen aus dem Jahr 1982. In Italien schuf Dario Argento TENEBRE, in Kanada spielte Michael Ironside in DAS HORROR-HOSPITAL (VISITING HOURS) und in Spanien, USA und Puerto Rico entstand PIECES (MIL GRITOS TIENE LA NOCHE)…usw. Wenn das nicht vielfältig ist!

Auch wenn ich über jeden dieser Filme viel Gutes schreiben könnte (und über die meisten bestimmt noch werde), schlägt mein Herz ganz besonders für Frank Henenlotters BASKET CASE, der sich zu seiner Entstehungszeit wohl kaum mit den anderen Produktionen messen konnte – aber über die Jahre zu einem unumstrittenen Kultfilm avanciert ist.

Zur Einstimmung der Trailer von BASKET CASE vorweg!

„What’s in the basket?“ – Die Story von BASKET CASE

Duane (Kevin Van Hentenryck) erscheint wie ein liebenswerter Wuschelkopf, ein verpeiltes Landei, das so gar nicht in das abgefuckte New Yorker Großstadt-Setting aus billigem Motel, Prostituierten und Sexkinos an jeder Ecke passt. Doch wer diesen Mann und seine düstere Vergangenheit unterschätzt, lebt gefährlich – und wer wissen will, was sich in dem Weidenkorb befindet, den Duane immer mit sich rumschleppt, hat auch nicht mehr lang zu leben.

In diesem „Basket Case“ transportiert er nämlich seinen verkrüppelten, siamesischen Zwilling Belial. Von Rachegelüsten getrieben haben es die beiden auf die Ärzte abgesehen, die sie in ihrer Kindheit voneinander trennten. Doch als Duane sich in eine Großstädterin verliebt, kommt es auch zum emotionalen Bruch zwischen den Brüdern.

Authentizität im Untergrund

Niemand würde auf die Idee kommen BASKET CASE für seine Schauspieler, Dialoge oder Make-up-Künste zu loben. Obwohl ich den Film liebe, hänge ich mich zum Beispiel jedes Mal wieder an der fürchterlichen Perücke von Duanes Love-Interest auf. Auch die oft bemühten „wahnwitzigen“ Splatter-Einlagen machen den Streifen für mich nicht aus.

Die Atmosphäre und die Location haben sich mir viel mehr eingebrannt, weil sie so authentisch, dreckig und derb sind. Das ist die Schmuddelgegend am Bahnhof, durch die sich „anständige Leute“ mit gesenktem Kopf ganz schnell einen Weg bahnen. Wer hier landet, der hat es nach Meinung vieler nicht anders verdient. Wer hier was sucht, ist moralisch verwerflich. Ganz genau in so einem Milieu bewegt man sich nach der Ansicht vieler übrigens auch, wenn man gerne Horrorfilme schaut.

Auf einer Meta-Ebene transportiert BASKET CASE für mich also auch die Nähe von Horror und Porno, dem „Abartigen“, Unterdrückten, was die Gesellschaft gern an den Rand drängt. Genauso wie der verkrüppelte Zwilling auf Wunsch seines Vaters von seinem „normalen“ Bruder getrennt wurde.

Meine Lieblingsszene aus BASKET CASE

Und genau diese Trennung der Brüder ist der zweite Grund, warum BASKET CASE für mich so ein geniales Werk ist. In einer Rückblende erzählt der Film die Geschichte der Freaks, die bis zu ihrem 12. Lebensjahr von ihrer Tante zuhause unterrichtet wurden. Um ihr Schicksal richtig dramatisch zu machen, starb die Mutter bei der Geburt. Nach zwölf Jahren findet der verzweifelte Vater endlich ein Arztteam, dass die Trennung der beiden außerhalb des Krankenhauses und gegen den Willen der Jungs durchführt.

Dramatische Orgelmusik begleitet den Start der OP-Szene, nachdem eine Ärztin dafür ausspricht, dass Belial ihrer Meinung nach kein Mensch sei. Entsprechend hartherzig gehen sie beim Spritzen der Narkosemittel mit ihm vor. Welchen Zuschauer lässt das oder die krächzigen Schreie von Belial kalt?

Die Operation selbst erinnert mich an diverse Alien-Obduktionsvideos. Alles hat eine gewisse Routine der ärztlichen Vorgehensweise, die aber gebrochen wird durch die kruden Effekte. Das Blut spritzt durch den ganzen Raum, die Geräusche sind laut und klingen eher, als würde jemand Styropor zerschneiden und dabei Taccos kauen, als Fleisch zu durchtrennen. Wenn Latex-Belial mit den weit aufgerissenen Augen von der Hüfte seines Bruders entfernt wird, sieht das nicht echt aus – aber verstörend authentisch.

Das ist alles, aber nicht Mainstream. Als ich als Teenie diese Szene zum ersten Mal gesehen habe, war es für mich eine echte cineastische Offenbarung, unvergleichlich und originell.

1980er Horror vs. 1990s Trashv

Regisseur Henenlotter blieb dem Trash treu und realisierte nach BASKET CASE die ebenso schrägen Filme ELMER (1988), FRANKENHOOKER (1990) und von 1990 bis 1992 BASKET CASE 2 und 3. Der Schmuddelcharme und die absurden Einfälle bleiben, aber eben im 1990er-Jahre-Stil, etwas selbstreflexiver, mit mehr derbem Humor und verstärkter Sozialkritik. Ebenfalls sehenswert, aber für mich keine Konkurrenz zu meinem Liebling BASKET CASE.

Und für welche Horrorfilme aus den 1980ern schlägt Dein Herz?

Mimis Lieblings-Horrorfilme in der Übersicht:

Beste Horrorfilme #1: Tanz der toten Seelen

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