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Buch-Rezension: „Purged“ von Peter Laws

Ein Killer tauft und tötet seine Opfer in „Purged“ – dem ersten Teil einer neuen, düsteren Krimi-Reihe von Peter Laws. Horror- und Crime-Fans, die schwarzen, britischen Humor lieben, werden sich in der Geschichte um Hauptfigur Matt Hunter schnell zuhause fühlen. Mit ein paar kleinen Abzügen kann ich das Buch, das im Februar 2017 auf Englisch erschienen ist, wirklich empfehlen – gleich mehr zur Story.

Was passiert in „Purged“?

Matthew Hunter lehrt als Professor über das soziologische Phänomen der Religionen. Seinen eigenen Glauben und die Position als Pastor hat er nach einem schweren Schicksalsschlag aufgegeben. Aufgrund seiner Erfahrungen und seines scharfen Verstandes wird er von der Polizei als Berater zur Auflösung religiös motivierter Taten hinzugezogen.

Doch in die Geschehnisse dieses Buches zieht ihn ein potentieller Auftrag für seine Frau Wren hinein. Als Architektin soll sie Vorschläge für die Sanierung einer Kirche in Oxfordshire erarbeiten. Matt verbringt dort eine Woche mit Wren, Tochter und Stieftochter. Zwei Vermisstenfälle trüben allerdings schnell die ländliche Idylle. Könnte einer oder sogar mehrere Mitglieder der ultra-christlichen Gemeinde hinter den Verbrechen stecken? Welche Rolle spielt darin der Pastor, den Matt noch von seiner Ausbildung kennt und der davon besessen zu sein scheint, Menschen durch Glaube und Taufe auf den rechten Weg zu bringen?

„Purged“: Killer vs Ermittler

Seit meine Tochter auf der Welt ist, lese ich nur noch Bücher, die mich wirklich packen. Wenn ich die Romane nur okay finde, reicht das meist nicht, um sie überhaupt fertig zu kriegen. „Purged“ hatte ich in wenigen Tagen fertig und das liegt zum Großteil daran, dass Peter Laws wirklich weiß, wie man Spannung aufbaut. Für seinen ersten Roman hat der Autor eine geschickte Erzähl-Strategie gewählt: Die Geschehnisse werden im Wechsel aus den Perspektiven des Verbrechers und des Ermittlers geschildert.

Der Killer tauft und tötet bereits im ersten Kapitel. Als Leser sind wir allen anderen also weit voraus mit dem Wissen um die kriminelle Energie und die kranke Theologie, die hinter den Taten steckt. Viel langsamer erschließt sich dann auch der Charakter von Matt Hunter, der erst noch dahinter kommen muss, was in der Gemeinde von Hobbs Hill wirklich vor sich geht.

Obwohl mir die Identität des Verbrechers recht schnell klar war, ist der Perspektiv-Wechsel immens effektiv. Die komplette Auflösung entfaltet sich erst im allerletzten Moment und das Finale ist damit wirklich gelungen.

Christentum und Horror im Krimi „Purged“

Autor Peter Laws ist selbst Pastor der Baptistischen Kirche. Aber durch seine „abtrünnige“ Figur Matt nimmt er Religion und christliche Glaubenspraxis sehr kritisch unter die Lupe. Außerdem konfrontiert er Hauptfigur und Leser mit Verbrechen, die voller grausamer Details stecken. Dass das Buch mit einem gewissen Ekel-Faktor und unangenehm realistischen Beschreibungen ausgestattet ist, liegt wohl daran, dass Laws ein großer Fan, des Horror-Genres ist. Das zeigen auch sein (Video-)Podcast „The Flicks That Church Forgot“ sowie seine Filmkolumne im britischen Magazin „Fortean Times“. Bei vielen Beschreibungen liefen bei mir Szenen im Kopfkino ab, die ich gefühlt bereits als Film gesehen habe. Das ist jedoch kein Nachteil, sondern eher ein Argument für die erzählerischen Fähigkeiten des Autors.

Der epische Kampf zwischen Gut und Böse, Himmel und Hölle ist die Basis vieler (klassischer) Horror-Storys. „Purged“ holt diesen Aspekt auf eine sehr reale Ebene, die sich in den Biografien seiner Figuren niederschlägt. Laws übertreibt es nicht mit dem Epischen, Überweltlichem und konzentriert sich auf die Psychologie der Menschen. Allerdings lässt er es sich nicht nehmen, zahlreiche Verweise auf Horror-Genre und paranormale Phänomen einzustreuen, die jeden Horror-Fan entzücken werden.

Mimis Mecker-Ecke

Nicht so happy bin ich mit Matt Hunter selbst. Bis auf den Abfall vom Glauben weist seine Figur keine Konflikte oder Brüche auf und scheint stets das Richtige zu tun – ausgenommen die angespannte Beziehung zu seiner pubertierenden Stieftochter. Da er so heldenhaft und unantastbar auftritt, wirkte er für mich hin und wieder zu selbstgefällig und überheblich im Umgang mit anderen.

Auch die Begründung für seine Abkehr von Gott ist für mich etwas zu mainstreamig. Traumatische Erlebnisse lassen Menschen in jedem zweiten Buch zu Atheisten werden. Das geschieht im wahren Leben sicherlich täglich, in der Fiktion ist es für mich jedoch ein langweiliges Klischee. Spannender finde ich den umgekehrten Weg, den zum Beispiel die Comics bzw. Amazon-Serie PREACHER einschlägt: Ein Verbrecher findet zu Gott und nutzt übermenschliche Kräfte um (scheinbar) Gutes zu tun.

Aber da es sich bei „Purged“ erst um Teil 1 der Matt-Hunter-Serie handelt und Teil 2 wohl bereits geschrieben ist, bin ich gespannt, wie sich sein Charakter noch entwickelt. Es wird bereits in dieser Geschichte angedeutet, dass Matt durch die Konfrontation mit dem Bösen auch seine Einstellung zum Guten ändern könnte. Es sickert also doch ein Stück weit das Episch-Übersinnliche durch, das sich in weiteren Büchern noch deutlicher manifestieren könnte.

Probleme hatte ich ebenfalls mit dem Bösewicht. Ohne zu viel verraten zu wollen, muss ich sagen, dass ich ihm am Ende, als seine Biografie komplett offen gelegt wurde, die Taten nicht mehr zugetraut habe. Vor allem nicht die Fähigkeit, seine Morde durchzuführen, ohne dabei Spuren zu hinterlassen, die die Polizei nicht auch ohne Matts Hilfe hätte lesen können. Zudem gibt es einige Ungereimtheiten in der Konstruktion der Geschichte, die ich aufgrund der Spannung jedoch nicht zu sehr beachtet habe.

Horrorshow-Fazit:

Ein vielversprechender Start für eine Crime-Serie mit vielen Horror-Elementen, die sich mit dem Guten und dem Bösen auseinandersetzt und vor allem mit den Bemühungen der Menschen, sich selbst zwischen diesen Polen zu positionieren. Ich bin in jedem Fall sehr gespannt auf die Fortsetzung und hoffe, dass ich mich mit Matt Hunter doch noch richtig anfreunden kann.

Nur Mut: Warte nicht auf eine mögliche deutsche Übersetzung. Laws ist ein begabter Erzähler, der in einem klaren Englisch mit britischem Charme schreibt, auch für Nicht-Native-Speaker sehr gut verständlich!

2 Kommentare

  1. Pingback: Meine Lesewoche #1 - Mona liest

  2. Mimi sagt

    Update: Inzwischen ist Teil 2 der Matt-Hunter-Serie erschienen: „Unleashed“. Und ja – inzwischen ist mir Hunter irgendwie ans Herz gewachsen. Bezüglich der Story der Fortsetzung habe ich Matts Familie etwas vermisst, die im Vergleich zu „Purged“ nur noch eine kleine Rolle spielt, aber die Andeutungen auf die weiteren Entwicklungen sind vielversprechend. Ansonsten ist „Unleashed“ wieder eine sehr spannende und vorallem düstere Geschichte die Krimi-, Horror-, religiöse und übersinnliche Elemente verbindet. Wer Horrorfilme liebt, erlebt wieder einige Déjà-vus und fühlt sich wie Zuhause.

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