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Neu auf DVD: Rezension zu SHUT IN

SHUT IN gibt’s ab dem 21. April 2017 auf DVD und Blu-ray – ein gutes Beispiel für einen Thriller, der von seinen genialen Hauptdarstellern getragen wird. Als Fan von Naomi Watts und Charlie Heaton solltest Du SHUT IN unbedingt gesehen haben, alle anderen könnten vielleicht etwas enttäuscht sein. Woran es liegt? Lies weiter, ich erklär’s Dir.

Die Story von SHUT IN

SHUT IN beginnt mit der Katastrophe: Kinder- und Jugend-Psychologin Mary und ihr Mann wollen ihren aufsässigen Teenie-Jungen Stephen in ein Internat schicken. Auf der Autofahrt streiten sich Vater und Sohn und verursachen einen Unfall, bei dem Marys Mann stirbt und Stephen schwer verletzt wird.

Sechs Monate später hat sich Mary in ihrem eingeschneiten Haus eingeigelt, pflegt den gelähmten Stiefsohn und empfängt ihre kleinen Patienten in der angrenzenden Praxis. Der Junge Tom hat es ihr besonders angetan. Nachdem er überraschend in ihrem Haus auftaucht, verschwindet das Kind ebenso plötzlich wieder – und wird daraufhin vermisst. Alpträume und seltsame Ereignisse lassen Mary an ihrem Verstand zweifeln.

Hier kannst Du Dir den Trailer zu SHUT IN ansehen:

Und was denkst Du nun? Thriller mit Horror-Elementen? Erwarte lieber keinen Ausflug in eine paranormale Dimension.

SHUT IN: Spiel mit Erwartungen

Es ist schwierig, über SHUT IN zu schreiben, ohne zu viel vorweg zu nehmen. So viel will ich jedoch verraten: Die Frage, was Mary plagt, ob es der Geist von Tom ist oder ihr gelähmter Sohn vielleicht sogar telekinetische Kräfte besitzt, wird schneller als erwartet beantwortet. Der Twist kommt so früh, dass der End-Kampf der Heldin einen Großteil des Films ausmacht. Wer von der Auflösung also enttäuscht ist, wird wenig Spaß mit einem Großteil des Films haben.

Deshalb möchte ich Dir raten, gehe nicht mit zu gefestigten Erwartungen an SHUT IN heran. Genieße lieber das überzeugende Spiel von Naomi Watts, die wiedermal ganz wunderbar ist und ihrem Sohn Charlie Heaton (STRANGER THINGS). Beide können in ihren Rollen völlig überzeugen, so dass die Nebencharaktere – darunter auch Oliver Platt als Marys Therapeut – im Nachhinein schnell vergessen sind.

Überzeugende Thriller-Atmo in SHUT IN

In vielen Kritiken zu SHUT IN wird leider die Story bemängelt, aber den meisten gefällt die Atmosphäre. So auch mir: Die Winterlandschaft in einem abgelegenen Teil Neuenglands ist ebenso schön wie bedrohlich durch den angekündigten Schneesturm. Marys urig-gemütliches Haus, in das ich sofort einziehen würde, verwandelt sich bei Nacht in eine düstere Falle, die Mary fast den Verstand kostet.

Dabei musste ich direkt an SCHATTEN DER WAHRHEIT (WHAT LIES BENEATH 2000) mit Michelle Pfeiffer und DAS HAUS DER LADY ALQUIST (GASLIGHT 1944) mit Ingrid Bergman denken. Das Häusliche und die Familie sind eben nicht die heile Welt, in der die weiblichen Figuren Schutz finden, denn die eigenen vier Wände tragen maßgeblich zu ihrer Verwirrung bei. Eine solche „Female Paranoia“ ist eine beliebte Zutat in vielen Thrillern, ausgehend vom klassischen Motiv in Gothic-Horror-Romanen.

Aber SHUT IN verweist noch auf einen anderen Genre-Klassiker. Wer sich bei diesem Schneegestöber nicht an SHINING (1980) erinnert fühlt, muss blind sein. Die Reminiszenzen sind so zahlreich, dass sich daraus schon ein klasse Trinkspiel machen lässt: ein Shot, sobald Du in SHUT IN ein Zitat aus SHINING findest. Das meine ich gar nicht negativ, die Elemente sind clever eingestreut und erfreuen mein Horrofan-Herz.

Pubertät: Wenn aus Kindern Monster werden

Bis ich meine Theorie überprüfen kann, wird es leider noch etwas dauern, aber ich würde mutmaßen, dass Eltern, deren Kinder in der Pubertät stecken, die Geschichte von SHUT IN mehr zu schätzen wissen. Schließlich muss sich Mary damit auseinandersetzen, dass sie Stephen weggeschickt hat, weil sie mit ihm nicht mehr klar gekommen ist. Nach dem Unfall pflegt Mary ihren Stiefsohn zwar, aber er ist für sie nur noch eine Hülle. Deshalb wendet sie sich Tom zu, der zwar nach dem Tod seiner Mutter traumatisiert ist, aber noch weit entfernt zu sein scheint von der schrecklichen Verwandlung in einen unkontrollierbaren Teenie.

In einer monströsen Radikalität will der Film auch zeigen, dass Teenies ihre Eltern vielleicht genau dann am nötigsten brauchen, wenn sie sich nicht mehr als liebe Kinder sondern als tollwütige Scheusale aufführen. In gewisser Weise muss sich Mary ihrer eigenen Ohnmacht gegenüber dieser Aufgabe stellen bzw. die Strafe dafür erhalten, dass sie sich davor drücken wollte.

Vielen ist der Anfang zwar zu langatmig. Mir ging es aber zu schnell. Ein bisschen mehr über das gemeinsame Familienleben vor dem Unfall zu erfahren, hätte die Auflösung noch plausibler gemacht.

Horrorshow-Fazit:

SHUT IN ist ein solider Winter-Thriller, dem man seine Lücken sowie ein paar Längen in der Story und einige vorhersehbare Stellen verzeihen sollte. Dann kann man sich nämlich voll auf das intensive Spiel seiner Hauptdarsteller und das atmosphärische Setting einlassen. Außerdem ist das Thema Familie auf eine interessante Weise aufgegriffen: Eine Mutter, die sich am liebsten nur um kleine Kinder kümmern möchte, aber nicht um komplizierte, heranreifende Erwachsene oder eben pflegebedürftige Kranke.

Und wie steht’s mit Dir: Begeistert oder enttäuscht von SHUT IN? Hinterlass‘ ein Kommentar!

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