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Must-See-Horrorfilm 2017: Review zu GET OUT

Endlich hat das Warten ein Ende, der bereits viel gelobte GET OUT läuft auch bei uns (deutscher Kinostart 4. Mai 2017) und um es vorweg zu nehmen: Meine Erwartungen an diesen Horrorfilm, der das brandaktuelle Thema von Weiß gegen Schwarz aufgreift, wurden tatsächlich noch übertroffen. Also unbedingt anschauen!

Noch nicht ganz überzeugt? Dann gebe ich Dir noch ein paar gute Gründe, um GET OUT zu schauen. Lies weiter!

Darum geht’s in GET OUT

Die News aus den USA drehen sich immer wieder um das Thema Hautfarbe und Konflikte zwischen Schwarz und Weiß. Kein Wunder, dass der 26-jährige Fotograf Chris (Daniel Kaluuya) seine weiße Freundin Rose (Allison Williams) fragt, ob ihre Eltern überhaupt wissen, dass er schwarz ist. Mit gemischten Gefühlen fährt er mit ihr zum ersten Kennenlern-Treffen zu dem großen, abgelegenen Haus im Nirgendwo. Schnell ist klar: Dieser Trip wird für Chris sogar noch schlimmer, als befürchtet.

Für Vater Dean (Bradley Whitford), Mutter Missy (Catherine Keener) und Bruder Jeremy (Caleb Landry Jones) ist die Hautfarbe ein wichtiges, quasi das einzige Thema. Mit intellektuell-überheblichem Gerede erklären sie, warum sie dem negativen Klischee entsprechen und zwei schwarze Angestellte (Betty Gabriel, Marcus Henderson) haben. Das Verhalten der Haushälterin und des Gärtners macht Chris ebenso misstrauisch wie Missys Hypnose-Therapie-Sitzung, um ihm angeblich das Rauchen abzugewöhnen.

Die Krönung der Vorurteils-Präsentation kommt bei einer großen Gartenparty der Eltern. Chris wird herumgereicht wie Frischfleisch, während die weiße Oberschicht „das Andere“ scheinbar recht begehrlich findet. Das ebenfalls sehr seltsame Gebaren eines anderen schwarzen Party-Gastes führt ein Stück näher zu der Offenbarung, welches düstere Familiengeheimnis noch auf Chris wartet.

GET OUT-Trailer

Wichtiger Hinweis: Wie immer siehst Du bei mir den Trailer im Original und wenn möglich, solltest Du auch den ganzen Film im Original mit Untertiteln ansehen. Vergleiche ihn mal mit dem deutschen Trailer, die Synchro nimmt dem Film wieder sehr viel von seiner Vielschichtigkeit.

GET OUT: Horror und Komik

Als Chris länger wegbleibt, als ausgemacht, sorgt sich sein Freund und Hundesitter Rod (Lil Rel Howery) und begibt sich auf Spurensuche. Dieser Sidekick bringt eine ordentliche Portion Humor in GET OUT. Er ist lustig, fast albern, aber als Figur extrem stark, präsent und vor allem sympathisch. Er bildet ein gutes Gegengewicht zu der bedrohlichen weißen Welt und ist ein guter Kumpel, den man wirklich jedem an die Seite wünscht. Rod sorgt auch dafür, dass das Thema Hautfarbe und die Ängste der Schwarzen auf humorvolle Weise rübergebracht werden.

Wenn Du GET OUT siehst, wirst Du nie mehr vergessen, wie Rod die Taten des Serienkillers Jeffrey Dahmer erklärt (der es hauptsächlich auf schwule Schwarze abgesehen hatte) oder wie er seine Theorie präsentiert, dass Roses Familie Schwarze zu Sexsklaven macht.

Absolut gelungenes Erstlingswerk GET OUT

Dass Regisseur und Drehbuch-Autor Jordan Peele etwas von Humor verseht, überrascht nicht. Der 1979 geborene US-Amerikaner ist bereits ein etablierter Comedian und Schauspieler. Als Teil des Comedy-Duos Key & Peele machte er bis 2015 mit der gleichnamigen Fernsehserie auf sich aufmerksam. Mit GET OUT hat er einen sehr originellen Ansatz gewählt und damit einen echten Hit hingelegt, der seine geringen Kosten schon längst eingespielt hat.

Es ist in jedem Fall erfrischend, dass Peele aus dem humorvollen Bereich kommt. Er verharmlost dadurch das ernsthafte Thema nicht, sondern fügt eine zusätzliche Facette hinzu, die sehr lebensbejahend ist. Wenn man sich mit Konflikten auseinandersetzt, heißt das nicht, dass man dabei vergessen muss, wie viel Gutes (Freundschaft, Liebe, Zusammenhalt) es gibt.

Gleichzeitig verschont er uns mit zu vielen Horror-Film-Klischees. Es gelingt Jordan Peele deshalb ein paar geniale Szenen und ikonische Bilder zu kreieren. Die Hypnose-Szene zwischen Catherine Keener und Daniel Kaluuya ist ganz klar der intensive Höhepunkt des Films. Aber auch die bedrohliche Atmosphäre, für die alle Bewohner verantwortlich sind, hat Peele gekonnt aufgebaut. Vor allem das seltsame Verhalten der schwarzen Angestellten ist sehr gut umgesetzt. Als Zuschauer will man Chris ständig zuschreien: Get out!!!

„The question you got to ask yourself, the white population of this country’s got to ask itself is: ‚Why it was necessary to have a nigger in the first place?‘ Because I’m not a nigger. I am a man. But if you think I’m a nigger, it means you need it and you got to find out why.“
James Baldwin

Horrorshow-Fazit

Als ich aus der GET OUT-Preview gekommen bin, hat in Frankreich ironischerweise gerade eine Rechtsradikale einen großen Teilerfolg bei den Wahlen erzielt. GET OUT befasst sich nicht nur mit einem „typisch amerikanischem“ Thema, er trifft sehr viele zutreffende Aussagen über unsere Welt, in der Hautfarbe, Geschlecht, Religion usw. immer noch Konfliktpotential mit sich bringen. Dabei schwingt Regisseur und Autor Jordan Peele keinen Argumentations-Hammer, aber blutig wird es in GET OUT trotzdem.

Bis zur letzten Minute ist dieser Horrorfilm mit Humor und vielen herrlichen Details geschmückt, die dem Film Leben und Originalität geben. Trotzdem ist die Story nicht überladen und sehr gradlinig erzählt. Endlich bin ich auch mal voll und ganz mit dem Film-Ende zufrieden! Dieser Neuling lässt mich hoffen für eine Zukunft des Horrorfilms, der nicht nur aus Remakes und ständigen Fortsetzungen besteht.

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