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Sagenhafter Odenwald: Riesen, Geisterheer und Burgschatz

In der Sagen- und Geisterwelt des Odenwalds geht es recht kampfeslustig zu. Wer sich an die Schauplätze dieser Legenden begibt, kriegt jedoch ein wunderbar friedliches Naturpanorama zu sehen. Wanderbegeisterte Grusel-Freunde sollten also unbedingt einen Ausflug in diese Region planen.

Odenwald: Wie die Riesen das Felsenmeer schufen

Es lebten einmal zwei Riesen, der eine auf dem Hohenstein, der andere auf dem gegenüberliegenden Felsberg. Als die beiden miteinander Streit bekamen, lieferten sie sich ein Duell nach Riesen-Art: Sie bewarfen sich mit großen Felsbrocken. Da es auf Hohenstein mehr Steine gab, konnte der dortige Riese das Match für sich gewinnen und begrub den anderen unter den Brocken.

Noch heute soll der Verlierer unter den Steinmassen des Reichenbacher Felsenmeers liegen. Aber als wir dort herumkletterten, konnten wir den Riesen leider nicht dazu bringen, einen Laut von sich zu geben. Bei anderen Gelegenheiten soll er jedoch jämmerlich gestöhnt haben.

Vielleicht haben wir ihn jedoch auch nicht gehört, weil es sich ganz anders zugetragen hat. Die Sage hat nämlich noch ein alternatives Ende: Der Riese vom Felsberg soll einen mächtigen Felsen geschleudert und seinen Gegner damit getötet haben – das ist die Felswand, die heute auf dem Hohenstein zu finden ist.

Das Felsenmeer im Odenwald besuchen

Das Reichenbacher Felsenmeer im Lautertal wird als das größte und bekannteste dieser Region bezeichnet. Entsprechend gibt es einen großen kostenpflichtigen Parkplatz an seinem unteren Ende – außerdem ein kleines Besucherzentrum. Von dort aus kann man den Berg mit den Brocken nach oben steigen.

Wir haben jedoch den weiter oben angesiedelten Parkplatz „Römersteine“ gewählt – der Name kommt von den Römern, die den Ort als Steinbruch nutzten. Der Parkplatz ist umsonst und grenzt an Wege die für alle, die mit Kinderwagen oder Buggy unterwegs sind, besser geeignet sind. Allein der Spaziergang durch den Wald ist wie ein Ausflug ins Märchenland. Überall sind die großen Steinbrocken verteilt, die oft dazu einladen, Formen in sie hineinzulesen. Manche hat der Volksmund bereits mit Namen versehen wie „Sarg“ oder „Teufelskanzel“. Richtig gruselig wird es wahrscheinlich erst am Abend, aber die Atmosphäre mit Nebelschwaden, die wir erlebten, hat bei uns einen schönen mystischen Eindruck hinterlassen.

Das Geisterheer von Burg Rodenstein

Etwa eine halbe Stunde mit dem Auto vom Felsenmeer entfernt, liegt die Burgruine Rodenstein (bei Fränkisch-Crumbach). Von hier aus soll vor und nach jedem Krieg das Geisterheer eines Rodensteiner Ritters durch die Lüfte reiten. Zu Lebzeiten hatte der grausame Mann sich geweigert, bei Frau und Kind zu bleiben und war lieber in den Kampf gezogen – woraufhin seine Familie starb und er verflucht wurde. Diese Sage war vor allem in der deutschen Romantik sehr beliebt. Ihren Ausgangspunkt hat diese Geschichte jedoch in der Überlieferung eines anderen Geisterzuges, der von dem benachbarten Berg Schnellerts ausgegangen sein soll. Aber auch in vielen anderen Regionen und Ländern ist das Phänomen des Geisterheers bekannt.

Der Schatz der Starkenburg

Immer noch nicht genug Legenden-Futter? Statt Geo-Caching können Besucher der Starkenburg von Heppenheim auf Schatzsuche gehen. Er soll in einem geheimen Tunnel versteckt worden sein, der sich unter dem Eingang der Burg befindet. Aber Vorsicht: So ein Schatz wird natürlich bewacht – in diesem Fall von einem schwarzen Geisterhund namens Melampus, der als lebendiger Vierbeiner schon die Burg vor den Feinden verteidigt und den Bewohnern die Flucht durch den Tunnel ermöglicht hat. So manchem Besucher der Ruine soll der Hund auch außerhalb seines unterirdischen Grabs begegnet sein.

In einer anderen Version sind es drei Jungfrauen, an denen man vorbei zum Schatz kommen muss – und zwar, indem man sie küsst. Allerdings erscheinen die drei Damen nicht in wunderschöner Gestalt sondern als Schlangen. Wer traut sich diesen Erlösungskuss zu?

Lest auch meine anderen Artikel über DIE Gruselorte im Odenwald-Kreis: Beerfelder Galgen und Burg Frankenstein.

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