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Es (2017): Bester Horrorfilm 2017?

ES (IT, 2017) kommt genau zur richtigen Zeit in die Kinos: Zum einen wird es Herbst und Halloween naht – zum anderen haben große Horrorproduktionen wie die CONJURING-Serie bewiesen, dass sich mit Grauen viele Zuschauer locken lassen. Nach massenhaft ausverkauften Vorführungen und einem Rekord-Einspielergebnis in den USA will ES ab dem 28. September 2017 auch Deutschland heimsuchen. Ein Must-See für jeden Horrorfan, keine Frage. Mehr im fast Spoiler-freien Review.

ES 2017: Was passiert

Ich muss nicht viel zur Handlung sagen, oder? Die Story kennt nach der TV-Verfilmung von 1990 mit Tim Curry als Killer-Clown Pennywise wohl jeder. Auch die aktuelle Kino-Version von ES hält sich an die Basics von Stephen Kings Mammut-Werk: In der Stadt Derry verschwinden in regelmäßigen Abständen Kinder, darunter auch der kleine Georgie. Sein Bruder Billy und die Freunde aus seinem Loser-Club sind die Einzigen, die sich dem Bösen entgegenstellen. Dabei haben die Außenseiter eigentlich schon genug Probleme mit ihren verkorksten Familien, den Schulrowdys, dem Erwachsenwerden und der ersten Liebe.

IT 2017 ist ein extrem gelungenes Remake, denn es schlägt viele neue Wege ein, ohne sich zu sehr vom Ur-Stoff zu entfernen. Zum einen wird die Handlung aus den 1960ern in die späten 1980er verlegt. Auch die Clownsfigur und die Alptraum-Visionen der Kids haben ihre ganz eigene Dynamik und Bildsprache. Mehr dazu gleich, hier erstmal der Trailer.

ES schlägt sie alle

Fragst Du Dich: Warum der Hype? Weil dieser Horrorfilm dazu angelegt ist, ein breites Publikum wirklich glücklich zu machen. Es würde mich wundern, wenn irgendein Horrorfan mit ES 2017 nichts anfangen kann. Aber eben auch Mainstream-Kinogänger finden hier ihre Anknüpfungspunkte: Die coolen Kids, das Coming-of-Age-/Outsider-Motiv, große Gefühle und echte Freundschaft verbunden mit dem Retro-Vibe, der auch THE CONJURING und den Netflix-Hit STRANGER THINGS gepusht hat. ES beweist, dass Mainstream-Horror lebendig, farbenprächtig und absolut sehenswert ist.

Regisseur Andrés Muschietti (MAMA, 2013) fackelt nicht lange: Sein Film ist wie ein Bilderbuch – auf jeder Seite kriegt der Betrachter etwas Spektakuläres geboten. Nur einmal habe ich dem Film seine 135 Minuten deutlich angemerkt. Ansonsten springt er von einer visuell eindrucksvollen Idee zur nächsten, es gibt viele geniale Details, die lang im Gedächtnis bleiben. Die herrlich ausgestalteten und -gewählten Retro-Settings wechseln sich ab. Nur das verwahrloste Horrorhaus mit dem verdorrten Vorgarten sah mir zu sehr nach einer Kulisse aus. Es wundert nicht, dass bei dieser Fülle viele Fans gleich ein zweites Mal ins Kino gehen.

IT (2017): zahme Nostalgie? (hier kommt der SPOILER!)

Ich bin wahrscheinlich nicht die einzige, die schon jetzt Mitleid hat, mit den erwachsenen Schauspielern, die im zweiten Teil gegen die Leistung der jungen Darsteller anspielen müssen. Es wird schwer Finn Wolfhard, Jaeden Liebher und Sophia Lillis zu ersetzten, denn sie sind die emotionalen Zugpferde des Films. Dank ihnen ist ES eben nicht nur Horror, sondern eine gefühlvolle Story über das letzte Aufbäumen der Kindheit, bevor das Erwachsenwerden unweigerlich einsetzt.

Dieser Faktor der Geschichte bringt wie bei STRANGER THINGS eine verklärte Nostalgie mit sich („Weißt Du noch, als wir klein waren und…“). Er hat aber auch zur Folge, dass es neben all den Alpträumen und harten Kämpfen doch relativ zahm zu geht. Denn im Mainstream-Horror werden keine Kinder auf großer Leinwand geschlachtet. Sie werden bedroht, geängstigt, verletzt, aber nicht zu derb und sterben muss keiner der Hauptfiguren. Es erklärt sich fast von selbst, dass in der Welt von großen Ängsten und zarten Gefühlen auch kein Platz für Sex- oder Nacktszenen ist. Damit kehrt ES zurück zu einem Horror-Kino, das stark an Steven Spielberg erinnert und auf melodramatisch-überladene Orchestermusik setzt.

Auch die CONJURING-Serie setzt neben den erwachsenen Figuren erfolgreich auf die Strahlkraft von fähigen Kinderdarstellern. Schockt und unterhält ohne zu provozieren, um letztendlich doch wieder eine heile Welt herzustellen, in der das Böse gut verstaut ist in den Regalen der Warrens. Sorry, das klingt wohl negativer, als ich es eigentlich meine. Auch für mich funktioniert diese Art des Horrors bestens, der Schock und Provokation nicht über alles stellt.

ES: 1990 vs. 2017

Alle meine Freunde und Bekannten, die Clowns nicht mögen, sagen, es hat mit ES (1990) zu tun. Die TV-Produktion mit Tim Curry hat auch mich geprägt, denn sie gehört zu meinen frühen Begegnungen mit Horror – noch dazu waren die Kids um Schauspieler Jonathan Brandis etwa in meinem Alter damals, traf also mein Lebensgefühl beim Anschauen. Ich gebe zu, deshalb war ich anfangs skeptisch, so eine Art „Ich brauche keine Neuverfilmung“-Trotz hatte mich überkommen. Da lag ich wohl gründlich daneben.

Im Vergleich zur bombastischen Kino-Verfilmung wirkt der Vorgänger an einigen Stellen ungelenk, natürlich sind die Effekte meilenweit entfernt vom heutigen Standard und das Budget deutlich begrenzt. Tim Curry ist ein fieser Clown, denn er bleibt recht menschlich – er ist näher dran am verkleideten Pädophilen. Bill Skarsgård hingegen hat kaum noch etwas Menschliches mehr, er ist ein echtes Monster. Pennywise 2017 trägt nicht unbedingt zu meiner Clown-Phobie bei – trotzdem freue ich mich darauf, ihn im nächsten Teil wiederzusehen. Bis dahin habe ich dann vielleicht sogar Stephen Kings 1.500-Seiten-Wälzer gelesen, für den ich bisher keine Geduld hatte.

Horrorshow-Fazit:

Wer IT nicht im Kino sieht, verpasst wirklich etwas. Dieser Film macht alles richtig, ist absolut stimmig, bis in die kleinen Rollen bestens besetzt und wartet mit schönen (Retro-)Details auf. Andrés Muschietti ist kein junger, wilder Auteur, aber er setzt genügend Akzente und vergisst über all den Schock-Momenten vor allem die Figuren nicht.

Wahrscheinlich hätte ich ES sogar noch besser gefunden, wenn ich STRANGER THINGS nicht so verehren würde. (Ist Dir aufgefallen, dass ich am liebsten in jedem Absatz Vergleiche dazu gezogen hätte?) Ich finde die Serie zieht zum einen das Retro-Thema konsequenter durch, vor allem was den Soundtrack anbetrifft, verlangt den Figuren zum anderen noch mehr ab und ist trotz der Nostalgie noch eine kleine Spur dreckiger.

ES ist ein tolles Beispiel dafür, wie gut Mainstream-Horror mit großem Budget funktionieren kann. Hoffentlich nehmen sich zahlreiche Produktionen daran ihr Vorbild. Und hoffentlich machen viele junge Regisseure etwas ganz anderes. Denn richtig innovativ ist ES nicht und das Genre bringt er auch nicht viel weiter. Vor kurzem sind George A. Romero und Tobe Hooper gestorben. Ich hoffe, dass sie von mutigen Jung-Regisseuren ersetzt werden, die wie sie mit einem Krachen etwas Neues (so wie GET OUT) bringen – damit der Mainstream auch immer mal wieder in Frage gestellt wird.

Noch mehr Clown-Horror gefällig? Ich kann Eli Roth’s Clown wirklich empfehlen!

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