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Fantasy Filmfest 2017: Frankfurt zittert bei IT, MAYHEM & Co

Nein, auch in diesem Jahr konnte ich es mir zeitlich und finanziell nicht leisten, das ganze Fantasy Filmfest 2017 mitzunehmen. Aber ich habe ganz gut gewählt, hier meine Kurz-Reviews zu 47 METERS DOWN, MY FRIEND DAHMER, VERONICA, MAYHEM, JUNGLE und mein Lieblings-Kurzfilm TICKLE MONSTER.

47 METERS DOWN

Die Story ist simpel, aber effektiv und unterhaltsam umgesetzt: Zwei Schwestern (Mandy Moore, Claire Holt) wollen auf ihrem Mexiko-Trip richtig was erleben. Deshalb lassen sie sich von ihren Urlaubsflirts zu einem Tauchausflug im Haikäfig überreden. Leider ist das Boot von Captain Taylor (Matthew Modine) so schrottig, dass ihr größter Alptraum wahr wird: Der Käfig sinkt mit den jungen Frauen 47 Meter tief auf den Meeresboden. Die Luft wird knapp, das Rettungs-Kommando taucht nicht auf, der Käfig ist Schutz und Gefängnis zugleich.

Nicht irritieren lassen, 47 METERS DOWN ist kein klassischer Haifilm. Die Haie stellen zwar einen großen Bedrohungsfaktor dar, aber der wahre Horror entsteht durch das übermächtige Element des tiefen Wassers – für das wir Menschen nun mal so gar nicht gemacht sind. Auf der großen Leinwand wirkt der düstere Ozean, in dem die Frauen schnell die Orientierung verlieren, beängstigend. Vor allem die lange Zeit unter Wasser, die Point-of-View-Einstellungen und die Nähe zu den Figuren zeichnet den Film aus, auch wenn die Ladys hin und wieder etwas nerven. Zusätzliches Plus: Der Soundtrack von tomandandy.

MY FRIEND DAHMER

Ende der 1970er ist Jeffrey Dahmer, einer bekanntesten US-Serienkiller, noch ein recht unschuldiger Außenseiter, der sein Interesse an toten Körpern nur durch Roadkill befriedigt. Manche seiner Störungen und Verhaltensauffälligkeiten lassen sich durch das kaputte Elternhaus erklären, aber nicht alle und auch nicht die bald beginnende Mordserie. In den beigen Gängen seiner Schule wird er als Freak zuerst geächtet und dann zur Schau gestellt – ein Spiegelbild von dem zweifelhaftem Ruhm, der ihm heute zukommt.

Diese ganz besondere Coming-of-Age-Geschichte basiert auf einer Graphic Novel, die einer von Derf Backderf, der mit Dahmer zur Schule ging. Regisseur Marc Meyers macht aus der Vorlage einen Klasse-Film über den starken Druck, in der Pubertät dazuzugehören und über die Suche nach Freundschaft. Traurig, bitter, aber auch echt und etwas nostalgisch. Ähnlich wie David Jacobsons DAHMER mit Jeremy Renner schlägt auch MY FRIEND DAHMER leise Töne an und distanziert sich damit vom klassischen Serienkiller-Streifen. Klare Highlights sind in jedem Fall der junge Dahmer-Darsteller Ross Lynch sowie sein Film-Vater Dallas Roberts. Must-See!

VERONICA

Kein Must-See, sondern nur solider Ouija-Horror. Ausgangspunkt sind pubertierende Mädchen, das okkulte Brett, ein toter Vater und eine von Nonnen geleitete Schule Anfang der 1990er in Spanien. Die Titel gebende Veronica muss sich um ihre drei kleineren Geschwister kümmern, weil die verwitwete Mutter Tag und Nacht die Familien-Bar schmeißt. Als sie während einer Sonnenfinsternis mit ihrem verstorbenen Vater sprechen will, entfesselt Veronica eine bedrohliche Macht.

Immerhin: Die Enge der familiären Pflichten, die Veronica zwingen mehr Mutter als Mädchen zu sein, transportiert der Film – allerdings besser als wirkliches Grauen. Zwar verzichtet VERONICA auf zu viele Bessenheits-Klischees hat nur leider nicht viel Neues zu bieten. Die Kinderdarsteller sind authentisch und süß, die Effekte, die Story und der Twist bei weitem nicht genug, um lange im Gedächtnis zu bleiben.

MAYHEM

Genau der Film, den Du freitags nach einer stressigen Arbeitswoche, nach einer Auseinandersetzung mit Deiner ätzenden Chefin oder der Ellenbogen ausfahrenden Kollegin sehen willst: Aufgeputscht durch ein Aggro-Virus zahlt Derek (Steven Yeun) es seinen korrupten Kollegen und der bitterbösen Chef-Etage seiner Firma heim. Das Ganze ist schön überzogen inszeniert, damit sich ja keiner an der Gewaltverherrlichung stört. Funktioniert super, Szenen- und Abschlussapplaus absolut verdient.

Und wieder mal Dallas Roberts in einer fantastischen Rolle. Auch über die Nebenrolle der wunderbaren Kerry Fox habe ich mich sehr gefreut. Natürlich geben Steven Yeun und Samara Weaving ein geniales Team ab. Mein Favorit des Festivals.

JUNGLE

Basierend auf einer wahren Geschichte kämpft sich Daniel Radcliffe unter Regie von Greg McLean durch den Dschungel: Als israelischer Backpacker ist er in Südamerika unterwegs und überredet seine Kumpels, sich auf die Versprechungen eines deutschen Abenteurers (Thomas Kretschmann) einzulassen. Doch der führt die jungen Männer in ernste Gefahr.

Radcliffe kämpft sich sehr entschieden durch eine im Mittelteil etwas zähe Story und trägt den Film erfolgreich hin zu einem zum Glück spannenden Schlussteil. Dieser Schauspieler ist schon lang kein Harry Potter mehr sondern echter Garant für starkes Schauspiel. Da verzeihe ich auch die etwas lahmen Stock-Aufnahmen von Dschungeltieren und wiederholten, wenig aussagenden Flüge über die Baumwipfel. Es hätte dem Film sicher gut getan, sich etwas weiter von der Autobiografie der Hauptfigur zu lösen, aber JUNGLE ist auch so eine Reise wert.

GET SHORTY – Kurzfilm-Programm

Nicht ganz so toll fand ich die diesjährige Kurzfilm-Auswahl. Aber als krönender Abschluss hier mein Lieblings-Kurzer TICKLE MONSTER. Enjoy!

P.S. Den Eröffnungsfilm IT hatte ich schon ein paar Tage früher in der Pressevorführung gesehen – meine fast spoilerfreie und ausführlichere ES-Rezi liest Du hier.

1 Kommentare

  1. Die Fantasy Filmfest White Night Termine stehen jetzt übrigens fest. Für Frankfurt: 20. und 21. Januar 2018 – diesmal soll es für mich eine Dauerkarte sein 🙂

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