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World’s Scariest Places – ausgesucht vom Life Magazine

Zu Halloween 2017 hat das Life Magazine ein Sonderheft mit den unheimlichsten Orten der Welt veröffentlicht. Bei mir hat dieses bildgewaltige Magazin eher gemischte Reaktionen hervorgerufen. Ist das Heft allein wegen der Covergestaltung mit Schloss Neuschwanstein für jeden deutschen Gruselfan ein Must-Read? Mehr dazu in dieser Magazin-Rezi.

World’s Scariest Places: einige Klassiker und Überraschungen

„Visit haunted houses, creepy cemeteries, scary ghost towns, and shocking paranormal hotspots“, tönt die Werbung für das Sonderheft des Life Magazines. Wirklich schockierend oder angsteinflößend wirkt auf mich keine der aufgezeigten Locations – was zum einen an der Entscheidung für Masse auf wenigen Seiten liegt: Die Bilder sind großformatig und daher oft beeindruckend, aber eben nicht umfassend. Denn mehr als eine Doppelseite kriegt keiner der 41 Orte zugestanden.

Die Auswahl umfasst atmosphärische Klassiker wie den Pariser Friedhof Père-Lachaise und den Tower von London. Dazu kommen (zumindest mir) unbekannte Geisterstädte der verlassene Wasserpark Dragon’s Lair in Vietnam und die Kennecott Copper Mine in Alaska oder diverse Knochen-Kunststätten wie die Knochenkirche in Sedlec, Tschechien.

Was mir gefällt: Es sind nicht zu viele altbekannte oder plakative Beispiele dabei, weder der Aokigahra (Selbstmord-Wald von Japan) noch Schloss Bran oder die diversen Häuser berüchtigter Serienkiller.

Flacher Humor statt Grauen

Am meisten haben mich leider die Texte enttäuscht. Soweit ich das Impressum verstanden habe fungierten als Autoren J.I. Baker und Amy Lennard Goehner. Wer für welchen Artikel zuständig war, wird leider nicht markiert. Eventuell haben beide einen Hang dazu, mehr oder weniger humorvolle Kommentare einzuflechten. Völlig deplatziert und überflüssig. Gruselstimmung kommt so nicht auf. Vielleicht dachte das Life Magazine, dass es seinen Stammlesern bereits mit der Bildauswahl zu harte Kost präsentiert und wollte mit leichten Texten unterhalten? Die meisten Gruselfans dürften die Augen verdrehen bei Sätzen wie: „If you picnic here [Hoia Baciu Forest, Rumänien], you may encounter UFOs, but you won’t have to worry about ants.“

Mehr wirklich aufschlussreicher Inhalt und besser ausgeführte Gruselstorys wären mir lieber gewesen. Zudem spannend geschriebene Berichte von Autoren, die vor Ort waren und die spezifische Aura vermitteln können. Dafür hätte das Magazin gern länger als knapp 100 Seiten lang sein können oder auf ein paar der Lost Places oder Friedhöfe verzichten können – denn die sind nicht „scary“, nur weil dort alles verfällt bzw. Tote begraben sind.

Deutsche Gruselorte: Horror-Haus Neuschwanstein?

Die Meinungen zur Grusel-Atmosphäre auf Schloss Neuschwanstein gehen auseinander. Ich war dort ziemlich schockiert von der eng getakteten Touristen-Durchschleuse und genervt, dass wir uns im Inneren nicht wirklich ausgiebig umsehen konnten. Da kam bei mir keine Schauer-Stimmung auf – schon eher als wir im Starnberger See genau dort schwimmen waren, wo Ludwig II. ins Wasser gegangen ist. Aber ich habe auch Freunde und Bekannte, die die es auf Neuschwanstein beklemmend fanden, was wohl an einer gewissen „Unwirklichkeit“ des Ortes liegt.

Die im Magazin genannte Geistergeschichte bezieht sich auf einen bayerischen General aus dem 17. Jahrhundert, der stöhnend durch die Räume von Neuschwanstein schweben soll. Diese Story muss ich dringend noch recherchieren…

Ich musste eher an einen mysteriösen Vermistenfall aus jüngster Zeit denken: Im Sommer 2016 verschwand ein chinesisches Paar, das mit einer Reisegruppe Schloss Neuschwanstein besuchen wollte. Abgesetzt oder spurlos verschwunden? Noch gibt es keine Antwort.

Der zweite Deutschland-Beitrag in „World’s Scariest Places“ ist übrigens „Hitler’s Wasteland“ in Nürnberg. Anstatt allerdings ein Bild vom verwilderten Unort zu zeigen, muss mal wieder die zeitgeschichtliche Nazi-Architektur herhalten.

Horrorshow-Fazit

Ein Magazin zum unterhaltsamen Durchblättern mit bestimmt der ein oder anderen Neuentdeckung, selbst für kundige Leser. Kein dickes Coffee-Table-Book und auch kein Reiseführer, um den nächsten Entdeckungstrip zu planen. Für eine gut sortierte Horror-Bibliothek ist es trotzdem eine lohnende Ergänzung.

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