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Gruselführung durch Frankfurt am Main

Liebe Horror-Freunde, wenn ihr nach Frankfurt am Main kommt, macht unbedingt eine Gruselführung bei Sascha Stefan Ruehlow. Ich hatte mich für die „Spukstadt Frankfurt – Orte des Gruselns und Grauens“ entschieden und war voll zufrieden. Was ihr jedoch bedenken solltet: In einer modernen Großstadt braucht man wirklich viel Fantasie, um sich in die Schauergeschichten längst vergangener Zeiten zu versetzen.

Ausgangspunkt Stadtführung

Frankfurt an einem Samstagnachmittag Mitte März: Vor Angst müssen wir Teilnehmer der Spukort-Führung nicht zittern aber vor Kälte. Der zweite Winter setzt allen zu, lenkt jedoch nicht von dem bunten Treiben rund um die Frankfurter Shopping- und Touri-Zone zwischen Zeil und Römer ab. Ich hab mir schon gedacht, dass die Führung am Abend vielleicht noch etwas atmosphärischer ist.

Zum Glück holt uns der Guide Sascha Stefan Ruehlow mit Humor, spannenden Geschichten und Grusel-Gummibärchen „zum schnuggeln“ ab und bereitet uns 1, 5 Stunden unterhaltsame Abwechslung.

Bestattungsriten der Hessen

Los geht es an der Katharinenkirche an der Hauptwache und mit der Erläuterung, warum es früher überhaupt zu so gruseligen Erfindungen wie dem „Leichentuch-Lutscher“ gekommen ist. Die Vorstellung, dass der belebte Platz eigentlich zum Teil Friedhof war, ist heute kaum noch vorstellbar. Dafür schon umso mehr, dass die Menschen sich vor den Lauten der verwesenden Leichen fürchteten, die hörbar waren, weil die Körper nicht so tief in der Erde lagen wie heute.

Es folgen weitere interessante Infos rund um Bestattungsriten und Totenkult sowie die Angst vor der Wiedergängern. Nicht alles appetitlich, deshalb ist die Führung auch erst ab 14 Jahren freigegeben.

Stop-and-Go durch die Einkaufszone

Wir passieren weitere geschichtsträchtige Orte zwischen Zeil und Römer – von denen selbst jedoch kein Grauen ausgeht. Die Storys reichen von Goethes Verbindung zu Kindsmörderinnen und geschichtlichen Gretchen-Vorlage bis zum Kinderfresser, der den Struwwelpeter Autor Heinrich Hoffmann als Junge ängstigte.

Sehr angenehm: Unser Guide weiß, wie man kurzweilig erzählt, so dass die Zuhörer wirklich kein Wort verpassen wollen. Unverkennbar mit Offenbacher Dialekt und hessischer Schnauze. Geht es allerdings um bedrückende Themen wie den Kindsmord lässt er die Witze ganz bewusst aus.

Mir fiel es allerdings schwer, den Zeiten zu folgen. Kann daran liegen, dass Ruehlow sich mit den genauen Jahreszahlen etwas zurückgehalten hat bzw. zwischen den Zeiten gesprungen ist.

Gruselführung gegen das Vergessen

Den Großteil meines Lebens habe ich in und um Frankfurt verbracht. Aber die Geschichten des Grauens waren mir größtenteils unbekannt. Weder kannte ich den Leichentuchlutscher noch unglückseligen Gastwirt, der nach seinem Tod als Gnom die Frankfurter Männer vom Saufen abhalten sollte. Das zeigt mir wieder: Wenn lokale Legenden nicht auf spannende Weise weitererzählt werden, opfern wir sie dem Vergessen – denn die Orte selbst erinnern heute meist nicht mehr an ihre Geschichten – und das Internet weiß eben nicht alles!

Hexen in Frankfurt?

Das trifft auch auf den verbauten Platz neben dem Römer zu (siehe Foto), auf dem ein kleines „Hexenhäuschen“ stand. Mutter und Tochter, die dort wohnten, sollten als Hexen verbrannt werden – wurden jedoch von einem Schweden gerettet, dem sie zuvor geholfen hatten.

Diese Story ist Aufhänger für die Erklärungen zur Hexenverfolgungszeit in Frankfurt. Die Stadt stellte eine Ausnahme dar, denn hier ging es eher pragmatisch und nicht so blutrünstig zu wie in hessischen und rheinland-pfälzischen Nachbar-Städten.

True Crime in Frankfurt

Vor einigen Jahren habe ich bereits die Führung „Tatort Frankfurt – Frankfurter Kriminalfälle und Rechtsgeschichte“ bei Elisabeth Lücke gemacht. Da war es wärmer und dunkler und die Orte haben etwas mehr „gesprochen“: zum Beispiel das Gebäude mit der ehemaligen Wohnung der ermordeten Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt oder ein Platz, an dem der Hammermörder in den 1990ern einen Obdachlosen erschlug.

Horrorshow-Fazit

Ganz bestimmt nicht meine letzte „Sparten-Führung“ durch Frankfurt, denn es gibt noch viele viele mehr. Natürlich ist Frankfurt nicht Edinburgh oder London, wo Ghost Walks noch mal eine ganz andere Richtung einschlagen – aber die lokalen Schreckgespenster haben wirklich Potential. Du solltest Sie unbedingt kennenlernen.

Grusel & Crime-Touren der Frankfurter Stadtevents im Überblick

2 Kommentare

  1. Sascha Ruehlow sagt

    Hallo liebe Mimi,

    sehr lustig. Ich habe mich eben mal selbst gegoogelt und was fand ich da: Dich und deine Horroshow. Und dass du bei einer meiner Führungen dabei warst. Vielen lieben Dank für deinen Blogeintrag über Elisabeth Lückes Tour und meine kleine Spukführung, die ich übrigens vor Jahren von Elisabeth übernommen habe.
    Vielleicht werde ich ja noch mal bekannt. Nicht, dass die Frankfurter Kinder, Straßen oder Orte nach mir benennen werden, aber immerhin habe ich schon in deinen Blog geschafft. Herzlichen Dank dafür.

    Liebe Grüße und einen schönen Frühling.

    Sascha

    • Mimi sagt

      Hallo Sascha,

      schön, dass der Text sich im Netz gut finden lässt! Dein Kommentar wäre mir zwischen den ganzen Spam-Nachrichten fast verloren gegangen :-/ Daumen gedrückt, dass du es noch zu überregionalem Ruhm bringst. Wenn du so schreiben kannst, wie du erzählst, bist du der perfekte Autor! Ich danke für den kurzweiligen Nachmittag – bei der nächsten Führung, die ich bei dir mitmache, oute ich mich dann auch 😉

      Eine gute Zeit!
      Mimi

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