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Interview: Was macht ein Hexen-Verein?

Zufällig bin ich vor einiger Zeit über urige deutsche Miniatur-Hexenmasken gestolpert – und durch einen Post auf meinem Instagram-Kanal bei einem der dazugehörigen Hexen-Vereine aus dem Schwarzwald gelandet. Frau Gerger von der Falken-Hexen Schramberg e.V. erklärt für alle Unwissenden wie mich, was es mit dieser besonderen lokalen Tradition der „Fasnet-Erschrecker“ auf sich hat.

Mimi: Frau Gerger, was ist ein Hexen-Verein?

Frau Gerger: Ein Hexen-Verein ist eine Vereinigung von sogenannten Hästrägern, die an der Fasnet in einem kompletten Kleidle (Kostüm) mit Maske ihr Unwesen treiben. Die Hexe ist eines der beliebtesten Fasnetmotive überhaupt. Die Geschichte stammt bei den meisten Vereinen aus dem Mittelalter.

Mimi: Und was genau ist Fasnet?

Frau Gerger: Bei uns in Schramberg und Umgebung wird die 5. Jahreszeit „Fasnet“ genannt. Beginn ist immer am 5./6. Januar beim Kleidle „Abstauben“ und endet am Aschermittwoch. Dieser Mittwoch fällt jedes Jahr auf einen anderen Tag, da er 46 Tage vor dem Ostersonntag liegt.

Mimi: Was machen die Falken-Hexen an der Fasnet?

Frau Gerger: Wir nehmen mit einem selbst gebauten Hexenwagen an Straßenumzügen teil und erschrecken hier die Besucher, welche am Straßenrand zuschauen. Außerdem haben wir einen traditionellen Hexentanz, welcher die Entstehung unseres Vereins erzählt. Dieser findet in Schramberg am Fasnetssamstag bei Dunkelheit und großem Lagerfeuer mit allen unseren Vereinsmitgliedern statt. Gäste sind herzlich willkommen!

Mimi: Welche Rollen spielen die Hexenmasken?

Frau Gerger: Die Hexe ist nur mit einer Maske komplett. Abgesehen von der Maske gehören Bluse mit Hexenwappen, Rock, Schürze, Spitzenhose, gestreifte Socken, Handschuhe sowie Hexenschuhe dazu.

Mimi: Wie lautet die Geschichte hinter den Falken-Hexen?

Frau Gerger: Der Verein wurde 1987 von einigen jungen Herren gegründet. Zuerst wurden die Holzmasken entworfen, das einheitliche Kleidle kam dann einige Jahre später dazu. Mittlerweile hat der Verein fast 100 Mitglieder und feierte dieses Jahr das 40-jährige Jubiläum.

Mimi: Werden Sie auch außerhalb der Fastnetszeit aktiv?

Frau Gerger: Das „Hexenkleidle“ wird nur an der Fasnet getragen. Ausnahmen sind in unserem Verein das Spalier stehen an Hochzeiten von Vereinsmitgliedern. Wir veranstalten jedes Jahr eine Pfingstwanderung, einen Sommerausflug, eine Halloweenparty sowie eine Winterwanderung. Außerdem gibt es zweimal jährlich eine Vollversammlung, an dem alle wichtigen Punkte mitgeteilt und besprochen werden.

Mimi: Treffen Sie oft auf Menschen wie mich, die diese Tradition gar nicht kennen? Gibt es vielleicht sogar Unverständnis?

Frau Gerger: Die „Fasnet“ wie wir sie kennen, gibt es nur in unserem Umkreis. Daher gibt es immer wieder Personen, denen wir unsere Tradition erklären dürfen. Da alle Menschen unterschiedliche Interessen haben, gibt es auch immer wieder solche, die diese Tradition nicht verstehen und nicht davon wissen möchten.

Mimi: Vielen Dank für Ihre Zeit und diesen spannenden Einblick, Frau Gerger!

P.S. Die kleine Hexenmaske vom Schramberger Verein ist übrigens wieder auf dem Weg in ihre Heimat.

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