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Real-Life-Horror: The Frighteners und DARK TOURIST

Raus in die Welt, um ihre düstersten Ecken zu besuchen – Autor Peter Laws tut das in seinem Buch „The Frighteners“, um der Frage nachzugehen „warum wir Monster, Geister, Tod und Gore lieben“. Er besucht Werwolf-Jäger, Vampir-Treffen, Zombie-Rollenspiele und diverse andere skurrile Orte (hauptsächlich in Großbritannien). Noch internationaler und ohne intellektuellen Auftrag ist der neuseeländische Journalist David Farrier in der neuen Doku-Serie DARK TOURIST auf Netflix unterwegs. Machen wir uns auf die Reise.

Buchtipp: The Frighteners

Als Autor von düsteren Crime-Büchern, Journalist und Podcaster für Horror- und Glaubensthemen ist Reverend Peter Laws einer, der seinen Faible für das Makabre mehr und mehr zum Beruf gemacht hat. Er begegnet seinen Interviewpartnern, die ganz besondere Jobs und Hobbys haben, also mit dem nötigen Respekt und dem Wissen um die Anziehungskraft der „Finsternis“. Sein Trip führt immer wieder auf ein persönliches Level, in dem er die eigene Faszination mit Horror und Tod analysiert und gleichzeitig seine spirituellen Überzeugungen nicht aus dem Blick verliert. Aber keine Angst, dieses Buch ist weder ein christliches Pamphlet noch ein Freibrief, um sich unreflektiert an Mord und Totschlag zu ergötzen.

Peter Laws, Geister, Leichen und menschliche Biester

Die thematische Aufteilung der Kapitel in „The Frighteners“ ist clever: Jedes Kapitel behandelt einen Themenbereich wie Zombies oder die Faszination mit Serienkillern. Dazu schildert Laws verschiedene Begegnungen und passende Reisen, spricht außerdem über wissenschaftliche, philosophische und soziale Hintergründe und zitiert entsprechende Experten. Neben dem persönlichen Touch bekommt das Sachbuch dadurch die nötige Tiefe, um nicht beliebig zu sein. Die lockere Sprache des Autors sorgt indes dafür, dass der Unterhaltungsfaktor gewahrt bleibt.

Und warum lieben wir nun die Dunkelheit?

Horrorfreunde werden sich (wie ich) sicherlich an vielen Stellen wiedererkennen, verstanden und vielleicht sogar ertappt fühlen. Manche Argumente lassen sich sicher im Gespräch mit Menschen anbringen, die düstere Themen verabscheuen oder schnell als „krank“ abtun wollen. Egal, ob Du Serienkiller-Memorabilia sammelst, auf Geistersuche gehst, Dich in Tierkostümen wohl fühlst oder das ganze Jahr Halloween feierst – Du bist definitiv nicht allein! Peter Laws erklärt Dir, warum das gar nicht so abwegige menschliche Impulse sind.

Die Mischung stimmt. Muss auf etwa 300 Seiten jedoch an einigen Stellen oberflächlich ausfallen. Zu meinen Lieblingsthemen hätte ich mir natürlich mehr gewünscht, zu anderen hätte es weniger getan. Schade auch, dass das Buch ganz ohne Bebilderung daher kommt. Will man beeindruckende Aufnahmen sehen, hat der DARK TOURIST von Netflix viel zu bieten.

Neue Netflix-Doku-Serie: DARK TOURIST

Passend zum Thema noch ein kurzer Hinweis auf die Reisen des Journalisten David Farrier. Als DARK TOURIST reist er in acht Folgen von Neuseeland aus durch die ganze Welt und geht dahin, wo es zum Teil wirklich weh tut: In Südamerika wandelt er auf den blutigen Spuren von Pablo Escobar und erlebt hautnah einen Exorzismus am Tag der Toten in Mexico City. In Japan setzt er sich den radioaktiven Strahlen rund um Fukushima aus und besucht den „Selbstmord-Wald“ Aokigahara. Voodoo in Afrika, Folter im extremsten Haunted House der USA und viele andere Mutproben folgen. Du merkst, es geht um spektakuläre Veranstaltungen, außergewöhnliche Menschen und plakative Bilder.

DARK TOURIST: exotisch, aber etwas oberflächlich

Richtig sympathisch wird mir der Reisende leider nicht. Seine Kommentare zu den krassen Erlebnissen sind meist recht flach. Er markiert eher den coolen Hipster, der jedoch oft fast unglaubwürdig naiv erscheint. Seine Aussagen sind meist ausbalanciert, um sich vor Kritik zu schützen – im Sinn von: „Ich will den Auftragskiller von Pablo Escobar gar nicht mögen, aber er ist so ein toller Entertainer. Trotzdem ist es für die Familien seiner Opfer sicher nicht leicht, dass er jetzt aus seinen Gewalttaten Geld macht.“

Auch der Besuch des Selbstmord-Waldes wird ähnlich lapidar gerechtfertigt und durch Interviews mit Sensations-Touristen abgeschwächt: Das sind schließlich die Schlimmen, die sich an dem Leid anderer weiden. Der Exorzist ist der kranke Fanatiker, der redsame JFK-Tourguide der Weirdo…

Horrorshow-Fazit

Wer auf Horror steht und gern mal ergründen möchte, warum das eigentlich so ist, greift zu „The Frighteners“ (Icon Books, 2018, Hardcover auf Englisch für ca. 12 Euro). Für reisefreudige Gruselfans sind auch ein paar schöne Tipps dabei – ich will nach der Lektüre zum Beispiel unbedingt zum Vampir Festival nach Whitby. Weniger intellektuell dafür mit noch spektakuläreren, internationalen Zielen wartet DARK TOURIST auf. Die Serie lässt sich gut konsumieren, trotz des etwas nervigen Hipster-Touristen.

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